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Bahnstrecke Tschagguns–Partenen

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Materialbahn Tschagguns–Partenen
Datei:Partenen-Schrägaufzug-Vermuntwerk.jpg
Blick auf Partenen vom Schrägaufzug aus
Blick auf Partenen vom Schrägaufzug aus
Spurweite:760 mm (Bosnische Spur)
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Montafonerbahn von Bludenz
~11,5
Litz
11,75 Tschagguns
Montafonerbahn nach Schruns
~12,0
0,0
Umladestelle Normalspur-Schmalspur
(bis 2001 Güterverladestelle Tschagguns)
Ill
Landbrücke
Ill
Gargellener Straße (L 192)
Montafoner Hüsle
Galgenuel
Gargellener Straße (L 192)
St. Gallenkirch
Gortipohl
Ill
Gaschurn
Ill
~18,0 Parthenen 1030 m
Schrägaufzug
Datei:Kraftwerk-Partenen-mit-Schrägaufzug.jpg
Kraftwerk Partenen mit Schrägaufzug
Kraftwerk Partenen mit Schrägaufzug
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
Maximale Neigung: 855,6 
Streckengeschwindigkeit:4,5 km/h
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0,000 Talstation Partenen 1030 m
0,727 Ausweiche
1,453 Bergstation Trominier 1730 m
Höhenbahn Trominier
Datei:Silvretta-Hochalpenstrasse-und-Höhenbahn-gegen-die-Litznergruppe.jpg
Hochalpenstrasse und Höhenbahn gegen Litznergruppe
Hochalpenstrasse und Höhenbahn gegen Litznergruppe
Spurweite:760 mm (Bosnische Spur)
Minimaler Radius:35 m
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0,000 Bergstation Trominier 1730 m
Haupt-Stollen (950 m lang)
Breitfieler-Stollen
Nasen-Stollen
S-Stollen
Kopf-Stollen
2,630 Vermunt 1731 m

Die Bahnstrecke Tschagguns–Partenen (damalige Schreibweise Parthenen) wurde von der Illwerke AG für den Bau des Vermuntwerks als nicht öffentliche Schmalspurbahn errichtet. Die Bahn verband von 1927 bis 1961 die Montafonerbahn mit dem oberen Montafon und wurde zeitweise auch für öffentlichen Personenverkehr genutzt. Betrieblich eng verbunden war sie mit dem Schrägaufzug Partenen–Trominier und der von 1929 bis 1930 erbauten Höhenbahn Trominier–Vermunt zum Vermuntsee sowie weiteren Materialbahnen, die für den Kraftwerksbau errichtet wurden.

Geschichte

In den Jahren 1926/27 errichteten die Vorarlberger Illwerke AG eine ca. 18 Kilometer lange, eingleisige Materialbahn mit einer Spurweite von 76 Zentimeter von Tschagguns über St. Gallenkirch, Gortipohl und Gaschurn nach Partenen. Auf diesem Abschnitt überwand die Bahn mit Steigungen bis 40 ‰ einen Höhenunterschied von 365 Metern. Zum Umladen der Güter von der normalspurigen Montafonerbahn wurde eine etwa 500 Meter lange Anschlussbahn angelegt, die kurz vor der Haltestelle Tschagguns abzweigte. Der Umladebahnhof verfügte unter anderem über eine Rollwagengrube und einen schweren Bockkran.

In Partenen war die Bahn direkt mit einem Schrägaufzug verknüpft, der auf einer Länge von 1453 m einen Höhenunterschied von 700 Metern überwand. Oben angekommen schloss eine weitere, 2,6 Kilometer lange Materialbahn an. Sie hatte ebenfalls eine Spurweite von 76 Zentimeter und führte durch mehrere Tunnels und Lawinenverbauungen. Dieses Materialbahn-System wurde für den Bau des Kraftwerks Vermunt (erbaut 1926 bis 1930) errichtet.

Die Materialbahn nach Partenen sollte nach der Fertigstellung des Kraftwerks als öffentliche Eisenbahn weitergenutzt werden. Als es Anfang 1931 so weit war, wurde jedoch angeordnet, dass mit der Bahn nur dann Personen transportiert werden durften, wenn die Autobusse nicht verkehren konnten.<ref>Vorarlberger Landes-Zeitung 29.01.1931 Seite 6</ref> Von 1938 bis 1943 fanden auf dem Materialbahnsystem weitere umfangreiche Transporte statt, denn nach dem Anschluss Österreichs wurde mit dem Ausbau der Kraftwerksanlage begonnen. Für die Errichtung des Silvretta-Stausees wurden ein weiterer Schrägaufzug und eine anschließende Bahn bis zur Bielerhöhe errichtet. Die Bauarbeiten wurden auch unter Einsatz von Zwangsarbeitern durchgeführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Strecke Tschagguns–Partenen dann auch regelmäßig dem Personenverkehr. Sie wurde sowohl mit Dampfloks als auch mit Dieselloks betrieben. Der planmäßige Fahrbetrieb wurde 1953 eingestellt, für einzelne Sonderfahrten und Schwertransporte wurde die Strecke sporadisch noch bis 1961 betrieben. Anschließend wurde sie stillgelegt und abgebaut. Teile des Oberbaus der Strecke wurden zum Ausbau der Stainzerbahn verwendet.<ref>Sepp Tezak: Steiermärkische Landesbahnen, Band III (Stainz, Ratten). Wien 1985, Verlag Peter Pospischil. Band 43 der Reihe „Bahn im Bild“, S. 94.</ref> Bereits in den Jahren 1928 bis 1931 hatte die Bahn rund 85.000 Tonnen Material transportiert.<ref>Tiroler Tagesanzeiger, 13.08.1931, Seite 9</ref>

Die Höhenbahn Trominier – Vermunt wurde 1964 stillgelegt<ref>Lothar Beer: Die Geschichte der Bahnen in Vorarlberg. Band 3. Hecht-Verlag, Hard 1999, S. 211.</ref> und der südliche, Steinschlag und Lawinen sehr stark ausgesetzte Teil durch den im Juni 1974 angeschlagenen Verschnausastollen ersetzt.<ref>Vermuntbahn – Wassererlebnisstollen Vermunt</ref> Dieser ist die südliche Verlängerung des 950 m langen Hauptstollens und umgeht die freiliegenden, in die Steilwand gelegten Abschnitte der ehemaligen Höhenbahn.

Nach dem Jahr 2000

Bis 2001 war die ungefähr 500 Meter lange normalspurige Anschlussbahn zwischen der Abzweigung von der Bahnstrecke Bludenz–Schruns und der ehemaligen Umladestelle in Tschagguns zur gelegentlichen Güteranlieferung für die Illwerke noch in Betrieb. Sie wurde von der Montafonerbahn AG betrieben, die ehemalige Umladestelle diente als Güterbahnhof. Dort stand auch ein Portalkran mit 70 Tonnen Tragfähigkeit.<ref>Bilderserie vom alljährlichen Transport des Motorschiffes „Silvretta“. Abgerufen am 28. Oktober 2023.</ref>

Einige verbliebene Schmalspurgleise in Tschagguns wurden noch dazu genutzt, das Motorschiff Silvretta im Winter auf einem Schmalspurrollwagen im ehemaligen Lokschuppen abzustellen. Dieses Schiff verkehrte im Sommer auf dem Silvretta-Stausee. Im Jahr 2011 wurde es nach einem Motorschaden außer Betrieb genommen; damit entfielen die Wintereinlagerung des Bootes und somit auch der Daseinszweck der schmalspurigen Gleisanlagen.

Die letzte noch betriebsfähige Diesellok wurde im Bereich des Tunnels V der Höhenbahn kurzzeitig im Rahmen einer Kunstinstallation aufgestellt<ref>Illwerke. In: Schmalspur. Nr. 1-2005. Verein „Schmalspur“, Wien 2005, S. 5.</ref> und wurde später dem Verein Rheinschauen übergeben, der heute Reste der einstigen Werksbahn der Internationalen Rheinregulierung touristisch betreibt. Im April 2013 wurden die Anlagen der Schmalspurbahn in Tschagguns entfernt, ebenso Lokschuppen und Umladekran. Die restlichen Schmalspurwagen gingen an gewerbliche und private Interessenten.

Die Strecke Tschagguns–Partenen selbst dient heute großteils als Bahntrassenradweg. Bei Gaschurn wird ein Teilstück als Umgehungsstraße im Zuge der Silvrettastraße (B 188) benutzt. Neben dem Trassenplanum selbst sind zahlreiche weitere Relikte erhalten geblieben, so beispielsweise mehrere Brücken. Anstelle der Standseilbahn verkehrt heute die Vermuntbahn, eine Luftseilbahn (die auch für den Materialtransport konzipiert ist), außerdem ist die Wartungstreppe (als Attraktion Europatreppe 4000) erhalten.

Durch Hauptstollen und Verschnausastollen verläuft heute eine vor Steinschlag und Lawinen sichere Wartungsstraße, auf der auch der winterliche Shuttlebusverkehr für das Skigebiet Bielerhöhe abgewickelt wird. Im Sommer dient sie auch als Rad- und Wanderweg, jetzt Höhenweg genannt. Der Wasser-Erlebnisstollen Vermunt dient als Schaustollen, und im Verschnausastollen befindet sich eine Ausstellung.

Projekte

Mehrfach gab es Überlegungen, die Montafonerbahn unter Nutzung der alten Schmalspurtrasse bis Partenen zu verlängern<ref>Montafonerbahn soll verlängert werden. vorarlberg.orf.at, 14. Mai 2019, abgerufen am 14. Mai 2019.</ref>. Dies wurde z. B. in den 1980er-Jahren diskutiert<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Montafonerbahn (Memento vom 12. April 2005 im Internet Archive) walter-rbg.de …</ref> und 2015 erneut mit Ziel St. Gallenkirch aufgegriffen.<ref>Weichen stellen: Projekt zum Ausbau der „MoBah“ bis St. Gallenkirch Artikel vom 5. Februar 2015, abgerufen am 4. März 2015</ref> Im Juli 2019 wurde im Rahmen einer Pressefahrt das Projekt eines Tram-Trains bis Gaschurn vorgestellt.<ref>Land Vorarlberg – Presse. Abgerufen am 12. Juli 2019.</ref> Eine bahnskeptische Bürgerliste aus Schruns dokumentiere im Jahr 2020 Planungsunterlagen und Medienberichte.<ref>Bahnverlängerung? Endstation für teure Bürgermeisterphantasien! | Metnand för Schru. Abgerufen am 9. März 2025.</ref>

Weblinks

Commons: Materialbahn Tschagguns–Partenen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Schrägaufzug Partenen–Trominier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Höhenbahn Trominier–Vermunt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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