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Natriumhydrogencarbonat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Backsoda)
Strukturformel
Struktur von Natriumhydrogencarbonat
Allgemeines
Name Natriumhydrogencarbonat
Andere Namen
Summenformel NaHCO3
Kurzbeschreibung

farbloser, geruchloser, kristalliner Feststoff<ref name="Merck" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 205-633-8
ECHA-InfoCard 100.005.122
PubChem 516892
ChemSpider 8609
DrugBank DB01390
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 84,01 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="Merck" />

Dichte

2,22 g·cm−3 (20 °C)<ref name="GESTIS" />

Schmelzpunkt

Zersetzung ab 100±1 °C<ref name="A.E. Simchen">A.E. Simchen: The Application of Thermal Analysis Methods to the Decomposition of Sodium Bicarbonate. In: Israel Journal of Chemistry. Band 9, Nr. 5, 1971, S. 613–614, doi:10.1002/ijch.197100086.</ref><ref name="Miloslav Hartman">Miloslav Hartman, Karel Svoboda, Michael Pohořelý, Michal Šyc: Thermal Decomposition of Sodium Hydrogen Carbonate and Textural Features of Its Calcines. In: Industrial & Engineering Chemistry Research. Band 52, Nr. 31, 2013, S. 10619–10626, doi:10.1021/ie400896c.</ref>

pKS-Wert
Löslichkeit

mäßig in Wasser (93,4 g·l−1 bei 20 °C)<ref name="Merck">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei MerckVorlage:Abrufdatum</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

4220 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="Merck" />

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−950,8 kJ/mol<ref name="CRC90_5_19">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-19.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Natriumhydrogencarbonat (Trivialname: Natron) hat die Summenformel NaHCO3, ist ein Natriumsalz der Kohlensäure und zählt zu den Hydrogencarbonaten. Gelegentlich werden für Natriumhydrogencarbonat auch die veralteten und chemisch unzutreffenden Trivialnamen doppeltkohlensaures Natron und Natriumbicarbonat (auch kurz NaBi) verwendet. Im Handel wird es auch unter den Bezeichnungen Speisesoda, Backsoda, Backnatron, Speisenatron sowie Markennamen wie Kaiser-Natron und Bullrich-Salz angeboten. Für den Normalbürger dürften die bedeutendsten Anwendungen darin bestehen, es als Backpulver zu nutzen, als Hausmittel gegen Sodbrennen oder, zusammen mit Essig oder anderen Säuren, gegen Ablagerungen und daraus entstehende Gerüche.

Die Verbindung sollte nicht mit Natriumcarbonat (Soda/„Waschsoda“, Summenformel Na2CO3) verwechselt werden.

Etymologie Natron

Das Wort Natron existiert seit Beginn der Neuzeit im Deutschen (in den Formen anatron, natrum und natron) und entstand (wie spanisch, französisch und englisch natron sowie „Natrium“) über arabisch naṭrūn (bzw. anatrūn; vgl. das unterägyptische „Natrontal“ „Wadi an-Natrūn“, woher früher ein Gemisch aus Natriumcarbonat und Natriumhydrogencarbonat zum Wasserentzug aus Mumien bezogen wurde<ref>Renate Gerner: Bei der Mumifizierung verwendete Instrumente und Substanzen. In: Renate Gerner, Rosemarie Drenkhahn (Hrsg.): Mumie und Computer. Ein multidisziplinäres Forschungsprojekt in Hannover. Sonderausstellung des Kestner-Museums Hannover vom 26. September 1991 bis 19. Januar 1992. Kestner-Museum, Hannover 1991, ISBN 3-924029-17-2, S. 28 f.</ref>) aus griechisch nítron (νίτρον) (Herodot; attisch lítron (λίτρον)), welches auf altägyptisch ntr zurückzuführen ist. Aus dem griechischen nítron (Natron, Soda, Salpeter) war auch lateinisch (sal) nitrum und deutsch Salniter gebildet worden (woraus dann Nitrogen, Nitrat usw. herleitbar sind).<ref>Franz Dornseiff: Die griechischen Wörter im Deutschen. Walter de Gruyter & Co, Berlin 1950, S. 44.</ref><ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 504.</ref>

Bereits im Wörterbuch der ägyptischen Sprache von Adolf Erman und Hermann Grapow wurden vor einem knappen Jahrhundert griechisch nítron (νίτρον) und hebräisch neter/nether mit dem altägyptischen Wort nṯr.j verknüpft, das im 2. Jahrtausend vor Christus etwa /natsₑra-/ ausgesprochen wurde. Da sich das Natronwort in dieser Zeit in vielen unverwandten, aber benachbarten Sprachen findet, muss diese Etymologie als wahrscheinlich betrachtet werden.<ref name="NHC22">Adolf Erma, Hermann Grapow: Aegyptisches Handwörterbuch. Reuther & Reichard, Berlin 1921.</ref>

Altägyptisch nṯr.j bedeutet in Bezug auf Natron jedoch nicht „göttlich“ und bezeichnet auch das Natron nicht als göttliche Substanz, wie häufig zu lesen ist. Alle Gegenstände und Substanzen zur Vorbereitung eines Leichnams für das Begräbnis und der Mumifizierung heißen grundsätzlich nṯr.j, zum Beispiel auch Mumienbinden und Mumifizierungsgeräte, also „zum Begräbnis gehörende Sache“.

Vorkommen

Datei:Nahcolite-20212.jpg
Nahcolith

Natriumhydrogencarbonat kommt als natürliches Mineral Nahcolith unter anderem in den Vereinigten Staaten vor. Es tritt meist feinverteilt in Ölschiefer auf und kann dann nur als Beiprodukt der Ölförderung gewonnen werden. Ein Bergbau besonders reicher Nahcolith-Horizonte wird im Bundesstaat Colorado betrieben, die jährliche Förderung lag im Jahre 2007 bei 93.440 Tonnen.<ref>Präsentation des US Geological Survey zu Nahcolith-Vorräten in Colorado (PDF 12 MB, engl.).</ref> Es gibt auch Fundorte in Europa.

Herstellung

Umsetzung von gesättigter Natriumcarbonatlösung mit Kohlenstoffdioxid unter Kühlung:

<math>\mathrm{Na_2CO_3 + CO_2 + H_2O \longrightarrow 2 \ NaHCO_3\downarrow}</math>

Dies ist eine Gleichgewichtsreaktion, die aber durch die relative Schwerlöslichkeit von Natriumhydrogencarbonat stark nach rechts verschoben ist. Das abfiltrierte Natriumhydrogencarbonat muss vorsichtig getrocknet werden, damit es sich nicht wieder zersetzt (in Umkehrung der Bildungsreaktion).

Auf diese Weise wurde es erstmals durch den Apotheker Valentin Rose den Jüngeren 1801 in Berlin dargestellt.

Im Solvay-Verfahren als Zwischenprodukt ausfallendes Natriumhydrogencarbonat wird wegen der mitgefällten Verunreinigungen (hauptsächlich Ammoniumchlorid) normalerweise nicht verwendet.
Ein seit Ende des 19. Jahrhunderts übliches Verfahren ist die Chloralkali-Elektrolyse.

Eigenschaften

Natriumhydrogencarbonat ist ein farbloser, kristalliner Feststoff, der sich oberhalb einer Temperatur von 100 °C unter Abspaltung von Wasser und Kohlenstoffdioxid zu Natriumcarbonat zersetzt, wobei die Reaktion ab einer Temperatur von 120 °C rasch verläuft.<ref name="A.E. Simchen" /><ref name="Miloslav Hartman" /> Andere Quellen geben abhängig von Korngröße und Reaktionsbedingungen auch Werte von 65 °C<ref name="Eckard Amelingmeier">Eckard Amelingmeier, Michael Berger, Uwe Bergsträßer, Henning Bockhorn, Peter Botschwina: RÖMPP Lexikon Chemie, 10. Auflage, 1996-1999. Thieme, 2014, ISBN 978-3-13-200021-6, S. 2831 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> oder etwa 85 °C<ref>Yee-Lin Wu, Shin-Min Shih: Intrinsic kinetics of the thermal decomposition of sodium bicarbonate. In: Thermochimica Acta. Band 223, 1993, S. 177–186, doi:10.1016/0040-6031(93)80132-T.</ref><ref>L. Dei, G. G. T. Guarini: The thermal decomposition of NaHCO3. In: Journal of thermal analysis. Band 50, Nr. 5, 1997, S. 773–783, doi:10.1007/BF01979207.</ref> an.

<math>\mathrm{2 \ NaHCO_3 \longrightarrow Na_2CO_3 + CO_2 + H_2O }</math>

An feuchter Luft erfolgt eine langsame Abspaltung von Kohlenstoffdioxid unter Bildung von Natriumsesquicarbonat.<ref name="Eckard Amelingmeier" />

In Wasser löst es sich – im Gegensatz zu Natriumcarbonat – mit nur schwach alkalischer Reaktion.<ref name="Arnold F. Holleman" />

<math>\mathrm{HCO_3^{\,-} + H_2O \leftrightharpoons H_2O + CO_2 + OH^- }</math>

Natriumhydrogencarbonat kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern a = 3,51 Å, b = 9,71 Å, c = 8,05 Å und β = 111° 51′.<ref name="DOI10.1107/S0365110X62000158">R. L. Sass, R. F. Scheuerman: The crystal structure of sodium bicarbonate. In: Acta Crystallographica. 15, 1962, S. 77–81, doi:10.1107/S0365110X62000158.</ref> Die Verbindung bildet Mischkristalle mit Natriumcarbonat.<ref name="Arnold F. Holleman" />

Verwendung

Natriumhydrogencarbonat wird hauptsächlich zur Herstellung von Backpulver und Brausepulver verwendet. Die weltweite Produktionsmenge liegt im 100.000-Tonnen-Bereich.<ref name="Arnold F. Holleman">A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9, S. 1182.</ref>

Die Verbindung findet allgemein vielfältige Anwendung:

  • In der Lebensmitteltechnik
  • In der Medizin
    • zum Zähneputzen (Natron bzw. baking soda ist wegen seiner abrasiven und somit aufhellenden Wirkung in einigen Zahnpasten enthalten, insb. in den USA)<ref name="Wilfried Umbach">Wilfried Umbach: Kosmetik und Hygiene: von Kopf bis Fuß. John Wiley & Sons, 2012, ISBN 3-527-66350-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
    • bei der professionellen Zahnreinigung (PZR) in der Prophylaxe
    • als Mittel gegen Sodbrennen wegen der Neutralisationswirkung unter Bildung von ungiftigen Reaktionsprodukten (CO2 und Wasser); gilt heute als veraltet<ref name="Forth">W. Forth, D. Henschler, W. Rummel: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 9. Auflage. URBAN & FISCHER, München 2005, ISBN 3-437-42521-8.</ref><ref>Ernst Mutschler et al.: Mutschler – Arzneimittelwirkungen Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. 9. Auflage. Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8047-1952-1.</ref> (siehe Antazidum, Protonenpumpenhemmer). NaHCO3 ist dennoch in vielen Produkten gegen Sodbrennen und säurebedingte Magenprobleme enthalten. Beispielsweise besteht Bullrich-Salz (Delta-Pronatura-Gruppe) zu 100 % aus Natriumhydrogencarbonat.<ref name="Arnold F. Holleman" />
    • als Antidot bei Vergiftungen durch Barbiturate, Salicylate und trizyklische Antidepressiva<ref>Antidot-Monographie für Natriumhydrogencarbonat (PDF; 60 kB).</ref>
    • als Bestandteil einer Trinklösung (zusammen mit Kaliumchlorid, Natriumchlorid und Macrogol) zur Darmreinigung als Vorbereitung einer Koloskopie (Darmspiegelung).<ref>Beipackzettel von einschlägigen Präparaten wie Moviprep, Prepacol, Endofalk, Klean Prep, CitraFleet</ref>
    • als Puffersubstanz zum Ausgleich des Basendefizites bei der Hämodialyse (Azidosekorrektur). Bei der sogenannten Bicarbonatdialyse ist Natriumhydrogencarbonat der wohl wichtigste Bestandteil des Dialysats. Im Gegensatz zu Acetat oder Lactat muss NaHCO3 nicht erst verstoffwechselt werden, um seine Wirkung zu entfalten. Weltweit ist es wegen seiner Vorteile für das Herz-Kreislaufsystem die am häufigsten eingesetzte Puffersubstanz bei der Hämodialyse. Außerdem kommt es bei diesem Verfahren seltener zu Blutdruckabfällen, Übelkeit und Krämpfen.<ref name="Rainer Nowack, Rainer Birck, Thomas Weinreich">Rainer Nowack, Rainer Birck, Thomas Weinreich: Dialyse und Nephrologie für Fachpersonal. Springer-Verlag, 2009, ISBN 978-3-540-72323-3, S. 110.</ref><ref name="gesundheits-lexikon.com">Hämodialyse. In: gesundheits-lexikon.com. DocMedicus Verlag GmbH & Co. KG, abgerufen am 3. Februar 2016.</ref>
    • zur Behandlung der metabolischen Azidose<ref name="Wolfgang Hartig">Wolfgang Hartig: Ernährungs und Infusionstherapie: Standards für Klinik, Intensivstation und … Georg Thieme Verlag, 2004, ISBN 3-13-130738-2, S. 326 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> und Hyperkaliämie<ref name="Franz-Josef Kretz, Karin Becke">Franz-Josef Kretz, Karin Becke: Anästhesie und Intensivmedizin bei Kindern - Franz-Josef Kretz, Karin Becke. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 3-13-157212-4, S. 151 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
  • In der Luftfahrttechnik
    • zur Hitzeabsorption und zur Schaffung einer brandhemmenden Atmosphäre in Flugschreibern<ref>Patent US6143978A: Enclosure for dissipating heat away from a heat sensitive device using bicarbonate compositions. Angemeldet am 31. März 1998, veröffentlicht am 7. November 2000, Anmelder: Allied Signal Inc, Erfinder: Jane Ren et al.</ref>
  • In der Umwelttechnik
    • als Sorptionsmittel für saure Abgasbestandteile (SOx, HCl) in Rauchgasreinigungsanlagen (Bicar-Verfahren)
  • Historisch zur Dehydratisierung von Leichen (Mumifizierung)
  • In der Landwirtschaft
  • Als Bestandteil von Feuerlöschpulvern (Abgabe von CO2 bei Erhitzung<ref name="Arnold F. Holleman" />)
  • Zum Strecken von synthetischen Drogen wie Amphetamin sowie zur Herstellung von Crack aus Kokain<ref name="Thomas Geschwinde">Thomas Geschwinde: Rauschdrogen: Marktformen und Wirkungsweisen. Springer DE, 2013, ISBN 3-642-30163-0, S. 530 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
  • Im Haushalt
    • als Bestandteil von Feinwaschmitteln<ref name="Günter Wagner">Günter Wagner: Waschmittel - Chemie, Umwelt, Nachhaltigkeit. John Wiley & Sons, 2011, ISBN 3-527-64366-4, S. 100 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
    • durch seine feinkörnige Struktur kann es als sanftes Scheuermittel eingesetzt werden<ref name="br1">Natron - Gesundheit, Backen und Reinigen: 7 tolle Natron-Tricks, Stand 11. Juli 2022. IN: br.de</ref>
    • Zum Entfernen angebrannter und verkrusteter Speisereste. Der Effekt beruht teilweise auf der Verseifung fetthaltiger Nahrungsmittelreste.<ref name="Christa Pöppelmann">Christa Pöppelmann: SOS. Wie macht man das?: Was man wirklich können muss! Compact Verlag, 2010, ISBN 3-8174-7922-0 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Wirksamer (und aggressiver bei Kontakt mit Haut und Schleimhäuten) ist jedoch das stärker alkalisch reagierende (Wasch-)Soda (Natriumkarbonat).<ref>Soda, Natron, Essig - Diese Hausmittel ersetzen alle chemischen Reinigungsmittel, Stand 16. September 2020. IN: br.de</ref>
    • Eine Prise Natron im Kochwasser lässt Erbsen, Linsen und Bohnen schneller weich werden und nimmt verschiedenen Kohlsorten die blähende Wirkung.<ref name="Christa Pöppelmann" />
    • Als Mittel gegen Ameisen und Kakerlaken: Streut man Natron in die Löcher des Ameisenbaus und auf die Ameisenwege, nehmen die Ameisen das Natron auf und tragen es mit in ihren Bau. Natron ändert den pH-Wert im Körper der Ameisen, was zum Tode führt (Waldameisen stehen unter Naturschutz).<ref>Softkill mit Soda, Artikel von Christoph Drösser auf Zeit Online, 30. April 2009, abgerufen am 16. Juni 2013.</ref>
    • Überschüssige Säure in Lebensmitteln wird durch Natron neutralisiert oder abgeschwächt.<ref name="GESTIS"/> Dies ist etwa bei der Zubereitung von Konfitüren aus sauren Früchten wie Sanddorn oder Rhabarber von Bedeutung, da diese so einen milderen Geschmack erhalten und weniger Zucker verwendet werden muss. Auch zu einer Speise übermäßig zugesetzter Essig oder Zitronensaft kann durch Natron neutralisiert werden.<ref name="Georg Schwedt">Georg Schwedt: Noch mehr Experimente mit Supermarktprodukten: Das Periodensystem als Wegweiser. John Wiley & Sons, 2012, ISBN 3-527-66139-5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
  • In der Aquaristik und im Poolwasser
    • zur Erhöhung der Pufferkapazität zur Verhinderung eines Säuresturzes
    • zur Regulierung des KH-Wertes, z. B. in der Meerwasseraquaristik,<ref name="Bauanleitungen zum Thema Aquarium und Aquaristik">Bauanleitungen zum Thema Aquarium und Aquaristik: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PH-Wert & KH mit Natron erhöhen (Memento vom 17. Mai 2014 im Internet Archive), abgerufen am 17. Mai 2014</ref> oder zur Regulierung der Alkalität in Swimmingpools (sogenannte Alka-Plus-Produkte bestehen aus Natriumhydrogencarbonat)
  • In Spielzeugraketen dient es zusammen mit Essig oder Zitronensäure als Treibstoff (durch Bildung des Gases Kohlenstoffdioxid)<ref name="auer-verlag.de">auer-verlag.de: Die Brausepulverrakete, abgerufen am 4. Oktober 2015.</ref>
  • Im Labor zur Neutralisation verschütteter Säuren, zumeist als 5%ige Lösung.
  • Als nicht abrasives Strahlmittel in der Strahltechnik, siehe Sodastrahlen
  • Zum Lösen von Uran in Gesteinsformationen beim In-situ-leaching-Verfahren (ISL-V.)<ref>E. M. Makhatha, L. S. Patience: Leaching of Uranium from Coal by Alkaline and mixture of Sodium Carbonate and Sodium Bi-Carbonate. 11. Oktober 2018, abgerufen am 6. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>In Situ Leach Mining (ISL) of Uranium - World Nuclear Association. Abgerufen am 5. September 2020.</ref>

Biologische Bedeutung

Mit Säuren reagiert es schäumend unter Bildung von Kohlenstoffdioxid und Wasser.

<math>\mathrm{NaHCO_{3(aq)} + HCl_{(aq)} \longrightarrow NaCl_{(aq)} + CO_{2(g)} + H_2O}</math>

Die Möglichkeit, Säuren durch HCO3 zu neutralisieren, ist lebenswichtig.

  • Im Magen muss aufgrund der dort aktiven Enzyme ein saures Milieu herrschen, dies geschieht durch Produktion von Chlorwasserstoff (HCl), woraus sich zusammen mit Wasser der Magensaft (ca. 0,5-prozentige Salzsäure) bildet, dessen pH-Wert (nüchtern) bis auf 1–1,5 sinken kann. Die Epithelzellen der Magenwand, die bei einem so niedrigen pH-Wert sofort zugrunde gehen würden, schützen sich selbst durch Abgabe von mit HCO3 versetztem Schleim.<ref>Bikarbonatbatterie, S. E. Miederer, Fortschr Med.1994,Jun 10; 112(16):235–8, PubMed</ref> Dringen H+-Ionen der Salzsäure in die Schleimschicht ein, so werden sie zu CO2 und Wasser neutralisiert. Das CO2 entweicht zumeist durch die Speiseröhre.
  • Im Dünndarm wird wiederum eine alkalische Umgebung benötigt, da hier andere Enzyme die Spaltung der Nährstoffe übernehmen. Die Änderung des pH-Wertes erfolgt im Zwölffingerdarm (Duodenum) durch Einspeisung des Sekretes der Bauchspeicheldrüse, welches unter anderem ebenfalls – wie der im Magen abgegebene Schleim – HCO3 enthält. Eine eingeschränkte Abgabe von HCO3 durch das Pankreas (exokrine Pankreasinsuffizienz) bedingt eine Übersäuerung des Duodenums und damit ein unphysiologisches Milieu für Verdauungsenzyme.
  • Hydrogencarbonat HCO3 ist der wichtigste Blutpuffer zur Regulierung des Säure-Basen-Haushalts des Menschen.

Weblinks

Commons: Natriumhydrogencarbonat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Natriumhydrogencarbonat – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references/>

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