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Atokit

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Atokit
Datei:Atokite.jpg
Kubisch verzerrter Atokit-Kristall in Paragenese mit Isoferroplatin aus dem Bezirk Komsomolski, Region Chabarowsk, Föderationskreis Ferner Osten, Russland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1974-041<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Ato<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Pd3Sn<ref name="IMA-Liste" />
  • (Pd,Pt)3Sn<ref name="Mihálik et al. 1975" /><ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Elemente
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

I/A.16-020<ref name="Lapis" />

1.AG.10<ref name="IMA-Liste-2009" />
01.02.05.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch<ref name="Mihálik et al. 1975" /><ref name="Shelton et al. 1981" />
Kristallklasse; Symbol m-3mVorlage:Kristallklasse/Unbekannte Kristallklasse
Raumgruppe Fm3m (Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225<ref name="Mihálik et al. 1975" /><ref name="Shelton et al. 1981" /><ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 3,991 (natürlich)<ref name="Mihálik et al. 1975" />
synthetisch: 3,967(2) Å<ref name="Shelton et al. 1981" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="Shelton et al. 1981" />
Häufige Kristallflächen {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5<ref name="Lapis" /> (VHN25 = 357<ref name="Mihálik et al. 1975" /><ref name="Handbookofmineralogy" />)
Dichte (g/cm3) berechnet: 14,19<ref name="Mihálik et al. 1975" /><ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit nicht beobachtet<ref name="Mihálik et al. 1975" />
Bruch; Tenazität nicht beobachtet<ref name="Mihálik et al. 1975" />
Farbe weiß<ref name="Lapis" />, auf polierten Flächen hellcremeweiß<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe nicht definiert<ref name="Mihálik et al. 1975" />
Transparenz undurchsichtig (opak)<ref name="Mihálik et al. 1975" />
Glanz Metallglanz<ref name="Mihálik et al. 1975" />

Atokit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Elemente“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Pd3Sn<ref name="IMA-Liste" /> und damit eine natürliche Legierung aus Palladium und Zinn im Stoffmengenverhältnis 3 : 1. Atokit bildet mit Rustenburgit (Pt3Sn) eine Mischkristallreihe, bei der Palladium und Platin sich gegenseitig vertreten können. Entsprechend ist in natürlichen Atokit-Mineralproben fast immer ein Teil des Palladiums durch Platin ersetzt (substituiert). Daher wird die Formel allgemein auch mit (Pd,Pt)3Sn<ref name="StrunzNickel" /> angegeben.<ref name="Mihálik et al. 1975" />

Atokit kristallisiert mit kubischer Symmetrie und entwickelt bis zu 100 μm große Körner von zinnweißer Farbe mit einem metallischen Glanz auf den Oberflächen.<ref name="Mihálik et al. 1975" />

Etymologie und Geschichte

Das Mineral wurde erstmals zusammen mit Rustenburgit in der Atok Mine im Merensky Reef in der Provinz Nordwest in Südafrika gefunden. Die Erstbeschreibung erfolgte 1975 durch P. Mihálik, S. A. Hiemstra und J. P. R. de Villiers, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.<ref name="Mihálik et al. 1975" />

Klassifikation

Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Atokit zur Gruppe der nicht stöchiometrischen Einfachperowskite mit unbesetzter B-Position in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Auricuprid, Tomamaeit, Awaruit, Olgafrankit, Sidorovit, Chengdeit, Isoferroplatin, Rustenburgit, Yixunit und Zvyagintsevit die Auricuprid-Untergruppe.<ref name="Mitchell et al. 2017" />

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Atokit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/A.16-020. Dies entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“, wo Atokit zusammen mit Niggliit, Norilskit, Palarstanid, Plumbopalladinit, Rustenburgit, Stannopalladinit und Zvyagintsevit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/A.16 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rustenburgit ebenfalls in die Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Hier ist das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „PGE-Metall-Legierungen“ zu finden, wo es zusammen mit Rustenburgit und Zvyagintsevit die „Zvyagintsevit-Gruppe“ mit der Systemnummer 1.AG.10 bildet.<ref name=IMA-Liste-2009 />

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Atokit die System- und Mineralnummer 01.02.05.03. Das entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Platingruppenmetalle und -legierungen“ in der „Isoferroplatingruppe (Raumgruppe Pm3m)“, in der auch Isoferroplatin, Rustenburgit, Zvyagintsevit, Chengdeit und Yixunit eingeordnet sind.

Chemismus

Atokit ist eine intermetallische Verbindung mit der Endgliedzusammensetzung [12]Sn[6]☐Pd3.<ref name="Mitchell et al. 2017" />

Atokit bildet eine lückenlose Mischkristallreihe mit Rustenburgit (Pt3Sn).<ref name="Shelton et al. 1981" /> Die Mikrosondenanalyse am Typmaterial aus dem Merensky Reef ergab eine durchschnittliche Zusammensetzung von 43,74 % Platin (Pt), 38,35 % Palladium und 18,65 % Zinn (Sn). Aus den Daten wurde die empirische Zusammensetzung (Pd1,94Pt1,21)Sn0,85 abgeleitet und zu (Pd,Pt)3Sn vereinfacht.<ref name="Mihálik et al. 1975" /><ref name="FleischerChaoMandarino" />

Kristallstruktur

Atokit kristallisiert mit kubischer Symmetrie der Raumgruppe Fm3m (Raumgruppen-Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225 und dem Gitterparameter a = 3,991 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle in der Struktur von Perowskit. Zinn (Sn) besetzt die A-Position, wo es von 12 Palladium-Atomen (Pd) auf der Anionenposition (X) umgeben ist. Die oktaedrisch koordinierte B-Position ist unbesetzt.<ref name="Mihálik et al. 1975" /><ref name="Shelton et al. 1981" /><ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Atokit bildet sich in Platinmetall-Konzentraten. Je nach Fundort können neben Rustenburgit noch verschiedene Platintelluride oder Keithconnit und Palladoarsenid als Begleitminerale auftreten.<ref name="Mihálik et al. 1975" /><ref name="Handbookofmineralogy" />

Von dem selten vorkommenden Mineral sind derzeit (Stand 2025) 49 Fundorte dokumentiert.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Atok-Mine und weiteren Funden in verschiedenen Gruben im Bushveld-Komplex in der Provinz Limpopo trat das Mineral in Südafrika noch in der Platin-Mine Impala im Bezirk Rustenburg in der Provinz Nordwest auf. Daneben fand es sich noch in der Hartley-Mine nahe Chiredzi (Provinz Masvingo) im nördlich von Südafrika gelegenen Staat Simbabwe.<ref name="Fundorte" />

Innerhalb von Europa ist bisher nur eine Platinmetall-Seife am Fluss Miessijoki im finnischen Teil Lapplands sowie mehrere Edelmetall-Lagerstätten im europäischen Teil Russlands, genauer auf der Halbinsel Kola in der Oblast Murmansk und in der Republik Karelien im Föderationskreis Nordwestrussland bekannt.<ref name="Fundorte" />

Weitere bekannte Fundorte liegen unter anderem in der kanadischen Provinz Ontario, im Kreis Midu in der chinesischen Provinz Yunnan, in den Republiken Burjatien und Sacha (Jakutien) im Föderationskreis Ferner Osten sowie in Irkutsk und Krasnojarsk im Föderationskreis Sibirien in Russland und im Stillwater-Komplex im US-Bundesstaat Montana.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

  • Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 24.

Weblinks

Commons: Atokite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="FleischerChaoMandarino"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Atokit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 18. März 2020. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Atokite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 18. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mihálik et al. 1975"> P. Mihálik, S. A. Hiemstra, J. P. R. De Villiers: Rustenburgite and atokite, two new platinum-group minerals from the Merensky Reef, Bushveld igneous complex. In: The Canadian Mineralogist. Band 13, 1975, S. 146–150 (rruff.info [PDF; 403 kB; abgerufen am 31. Mai 2025]). </ref> <ref name="Mitchell et al. 2017"> </ref> <ref name="Shelton et al. 1981"> K. L. Shelton, P. A. Merewether, B. J. Skinner: Phases and phase relations in the system Pd-Pt-Sn. In: The Canadian Mineralogist. Band 19, 1981, S. 599–605 (arizona.edu [PDF; 496 kB; abgerufen am 3. Juni 2025]). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>