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Gebirgs-Hellerkraut

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Gebirgs-Hellerkraut
Datei:Gebirgs-Hellerkraut.jpg

Gebirgs-Täschelkraut (Noccaea caerulescens)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Gattung: Täschelkräuter (Noccaea)
Art: Gebirgs-Hellerkraut
Wissenschaftlicher Name
Noccaea caerulescens
(J.Presl & C.Presl) F.K.Mey.

Das Gebirgs-Hellerkraut, Gebirgs-Täschelkraut, Alpen-Hellerkraut oder Voralpen-Hellerkraut (Noccaea caerulescens)<ref name="Rothmaler2011" /> ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Täschelkräuter (Noccaea) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).

Beschreibung

Datei:Deutschlands flora in abbildungen nach der natur (13085443855).jpg
Illustration aus Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur, 1830

Vegetative Merkmale

Das Gebirgs-Hellerkraut wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 25 Zentimetern. Sie besitzt nichtblühende Blattrosetten, aber im Unterschied zum ähnlichen Berg-Hellerkraut (Noccaea montana) keine ausläuferartig verlängerten Seitentriebe. Die fruchtbaren Sprosse sind einfach und aufrecht.<ref name="Markgraf1958" />

Die Laubblätter sind in grundständigen Rosetten und wechselständig verteilt am Stängel angeordnet. Die Grundblätter sind lang gestielt, elliptisch oder breit spatelförmig, stumpf und meist ganzrandig.<ref name="Markgraf1958" /> Die einfache Blattspreite ist blaugrün und kahl. Die Stängelblätter sind eiförmig-lanzettlich oder schmal-herz-eiförmig und stängelumfassend.<ref name="Markgraf1958" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von März bis Mai.<ref name="Oberdorfer2001" /> In einem anfangs schirmtraubigen, später durch deutliche Streckung der Blütenstandsachse bis zur Fruchtreife, traubigen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen.

Die zwittrig Blüte ist vierzählig. Die Kelchblätter sind bei einer Länge von etwa 1,5 Millimetern elliptisch.<ref name="Markgraf1958" /> Die vier weißen bis blauvioletten Kronblätter sind länglich-keilförmig und kaum länger bis doppelt so lang (bei der Unterart Noccaea caerulescens subsp. virens mehr als doppelt so lang) wie die Kelchblätter.<ref name="Markgraf1958" /> Die Staubbeutel sind nach dem Verblühen rötlich bis schwarz-violett.<ref name="Markgraf1958" />

Die junge Frucht ist ausgerandet, der Griffel ist 0,75 bis 2 Millimeter lang.<ref name="Markgraf1958" /> Die Frucht ist so lang wie ihr Fruchtstiel.<ref name="Markgraf1958" /> Die Frucht ist bei einer Länge von 5 bis 10 Millimetern verkehrt-eiförmig bis keilförmig.<ref name="Markgraf1958" /> Die Fruchtfächer enthalten vier bis sechs Samen.<ref name="Markgraf1958" /> Die Samen sind ellipsoidisch, gelbbraun und glatt.<ref name="Markgraf1958" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.<ref name="Oberdorfer2001" />

Inhaltsstoffe

Das Gebirgs-Hellerkraut ist in der Lage, Zink aufzunehmen und im Gewebe zu speichern. Die Konzentration an Zink in den Pflanzenteilen kann bis das 300-fache gegenüber dem betragen, was die meisten Pflanzentaxa als Toleranzgrenze aufweisen. Am meisten Zink weisen die Laubblätter auf.<ref name="Markgraf1958" />

Zeigerwerter

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstbeschreibung erfolgte 1819 unter dem Namen (Basionym) Thlaspi caerulescens durch Jan Svatopluk Presl und Karel Bořivoj Presl in Flora Čechica, S. 133.<ref name="Euro+Med" /> Die Neukombination zu Noccaea caerulescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(J.Presl & C.Presl) F.K.Mey. wurde 1973 durch Friedrich Karl Meyer in Conspectus der Thlaspi-Arten Europas. Afrikas und Vorderasiens. In: Feddes Repertorium, Band 84, Nummer 5–6, S. 463 veröffentlicht.<ref name="Euro+Med" /> Weitere Synonyme für Noccaea caerulescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(J.Presl & C.Presl) F.K.Mey. sind je nach Autor, beispielsweise: Thlaspi alpestre <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) L. non <templatestyles src="Person/styles.css" />Jacq., Thlaspi calaminare <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lej.) Lej. & Courtois, Thlaspi gaudinianum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord., Thlaspi lereschii <templatestyles src="Person/styles.css" />Reut., Thlaspi muretii <templatestyles src="Person/styles.css" />Gremli, Thlaspi oligospermum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Merino) Greuter & Burdet, Thlaspi pratulorum <templatestyles src="Person/styles.css" />Gand., Thlaspi rhaeticum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord., Thlaspi suecicum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord., Thlaspi villarsianum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord., Thlaspi virgatum <templatestyles src="Person/styles.css" />Gren. & Godr., Thlaspi vogesiacum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord., Thlaspi vulcanorum <templatestyles src="Person/styles.css" />Lamotte, Thlaspi alpestre var. calaminare <templatestyles src="Person/styles.css" />Lej., Thlaspi alpestre subsp. calaminare <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lej.) O.Schwarz, Thlaspi caerulescens subsp. calaminare <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lej.) Dvořáková, Noccaea oligosperma <templatestyles src="Person/styles.css" />(Merino) Holub.<ref name="Euro+Med" />

Die Art Noccaea caerulescens ist wegen häufiger Selbstbestäubung, die neu erworbene Eigenschaften oft in kleinen isolierten Vorkommen gut erhält formenreich und wird deshalb auch als Sammelart mehrerer Kleinarten angesehen.<ref name="Rothmaler2011" /> Je nach Autor werden die Taxa im Rang von Arten, Unterarten oder Varietäten geführt.<ref name="Al-Shehbaz2014" /> Es ist weitere Forschungsarbeit erforderlich um die natürlichen Verwandtschaft und den Umfang der Arten zu klären.<ref name="Al-Shehbaz2014" />

Botanische Geschichte

Mitteleuropäische Unterarten

Bei manchen Autoren gab es Unterarten, hier die Darstellung nach Oberdorfer 2001 nur nach morphologischen Merkmalen:<ref name="Oberdorfer2001" />

  • Noccaea caerulescens subsp. brachypetala <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jord.) Tzvelev hat meist einen ästigen Stängel, und die Staubbeutel bleiben gelb oder rötlich. Die Blütenhüllblätter sind 2 bis 3 Millimeter lang und sind wenig länger als der Kelch. Es wächst in Österreich, zum Beispiel häufig im Montafon. Es kommt vor in Pflanzengesellschaften des Verbands Polygono-Trisetion.<ref name="Oberdorfer2001" />
  • Noccaea caerulescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(J.Presl & C.Presl) F.K.Mey. subsp. caerulescens hat meist einen einfachen Stängel, die Staubbeutel verfärben sich blauviolett. Die Blütenkronblätter sind bis 3,5 Millimeter lang und sind doppelt so lang wie der Kelch. Die Pflanze ist zwei- bis dreijährig, die Blütenblätter sind so lang oder kürzer als die Staubblätter. Sie gedeiht auf Berg-, seltener Talwiesen im Alpenvorland, Schwarzwald, Rheinischen Schiefergebirge, in Thüringen, Sachsen, dem Fichtelgebirge und dem Bayerischen Wald. Es gedeiht in Pflanzengesellschaften des Verbands Polygono-Trisetion, kommt aber auch in denen des Verbands Arrhenatherion vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Das Gebirgs-Hellerkraut ist präalpin in den süd-, mittel- und osteuropäischen Gebirgen verbreitet. Das Gebirgs-Hellerkraut wächst gesellig in Bergwiesen oder rasigen Böschungen. Es gedeiht am besten auf kalkarmen, mäßig sauren, humosen Lehmböden.
  • Galmei-Hellerkraut (Noccaea caerulescens subsp. calaminaris <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lej.) Mag.): Sie ist ausdauernd und die Blütenkronblätter länger als die Staubblätter. Diese Unterart, die auch als Art oder Synonym der Nominatform angesehen wird, kommt in lückigen Schwermetallrasen vor, zum Beispiel bei Aachen und Osnabrück. Es ist eine Charakterart des Verbands Thlaspion calaminariae.<ref name="Oberdorfer2001" />
  • Grünes Hellerkraut (Noccaea caerulescens subsp. virens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jord.) Kerguélen): Diese Unterart hat kurze und dichte Fruchtstände und die Kronblätter sind mehr als doppelt so lang wie der Kelch. Sie kommt in Frankreich und in den Schweizer und italienischen Alpen vor. Sie steigt an der Fluhalp bei Zermatt bis zu einer Höhenlage von 2606 Meter auf.<ref name="Markgraf1958" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora2" />

Literatur

  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete, Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-8001-3131-0.
  • Friedrich Karl Meyer: Conspectus der Thlaspi-Arten Europas. Afrikas und Vorderasiens. In: Feddes Repertorium Band 84, Nummer 5–6, 1973, S. 449–469. doi:10.1002/fedr.19730840503
  • Ihsan A. Al-Shehbaz: A synopsis of the genus Noccaea (Coluteocarpeae, Brassicaceae). In: Harvard Papers in Botany, Volume 19, Issue 1, 2014, S. 25–51. doi:10.3100/hpib.v19iss1.2014.n3 Volltext-PDF.

Einzelnachweise

<references> <ref name="InfoFlora"> Thlaspi caerulescens J. Presl & C. Presl In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora2"> Thlaspi virens Jord. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Rothmaler2011"> Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Gefäßpflanzen: Grundband. 20. Aufl. - Spektrum, Heidelberg, 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3, S. 549 </ref> <ref name="Markgraf1958"> Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. S. 370–374. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Verlag Carl Hanser, München 1958. </ref> <ref name="Al-Shehbaz2014"> Ihsan A. Al-Shehbaz: A synopsis of the genus Noccaea (Coluteocarpeae, Brassicaceae). In: Harvard Papers in Botany, Volume 19, Issue 1, 2014, S. 25–51. doi:10.3100/hpib.v19iss1.2014.n3 Volltext-PDF. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011+: Brassicaceae. Datenblatt Noccaea caerulescens In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Gebirgs-Hellerkraut (Noccaea caerulescens) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien