Albert Eickhoff
Albert Eickhoff (* 28. November 1935 in Horn; † 10. November 2022<ref>Traueranzeige. In: Rheinische Post, 12. November 2022, abgerufen am 12. November 2022.</ref> in Meerbusch<ref>Albert Eickhoff: Der „Mode-Papst“ ist tot. In: focus.de. Abgerufen am 10. November 2022.</ref>) war ein deutscher Einzelhändler für Designermode, der als Entdecker von Gianni Versace gilt. Er war Gesellschafter der Eickhoff Königsallee 30 GmbH & Co. KG.<ref>Eickhoff Königsallee 30 GmbH & Co. KG. In: branchen-info.net. 24. August 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 17. September 2023.</ref>
Leben
Eickhoff wurde 1935 als Sohn von Inhabern eines Gemischtwarenladens in Horn geboren. Er besuchte die Realschule im benachbarten Lippstadt. Dort begann er bei Giesecke & Brand, einem Geschäft für Damenoberbekleidung und Stoffe, eine Lehre zum Textilkaufmann. Nach Stationen in Bielefeld, auf der Fachschule in Nagold und beim Modehaus Emil Gerhard in Betzdorf kehrte er nach Lippstadt zurück, um in seinem Ausbildungsbetrieb als Substitut an der Seite der Einkäuferin zu arbeiten.<ref name="Salmen">Ingo Salmen, Christoph Motog: Mit Albert groß in Mode. Geschichten und Anekdoten aus Lippstadt. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2009.</ref><ref name="Schipp">Anke Schipp, Alfons Kaiser: Albert Eickhoff: Der König der Allee. In: FAZ.NET. 24. September 2007, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 17. September 2023]).</ref>
Am 15. März 1961 eröffnete Eickhoff mit seiner Frau Brigitte in Lippstadt den Modesalon Eickhoff. Ihr Startkapital lag bei 4.000 DM. Dabei setzten sie von vornherein auf exklusive Designermode der Berliner Couture: Uli Richter, Staebe-Seger, Detlev Albers, Rolf Horn. Mitte der 60er Jahre begannen sie damit, bei italienischen und französischen Modeschöpfern wie Fouks oder Star einzukaufen. In der Folgezeit führten sie zahlreiche Designer in den deutschen Markt ein: Bei Roberto Cavalli und Giorgio Armani waren sie die ersten, bei Prada und Gucci unter den ersten deutschen Kunden. Chloé disponierten sie bereits, als Karl Lagerfeld dort noch als künstlerischer Direktor arbeitete.<ref name=Salmen/><ref name=Schipp/> 1974 eröffneten sie eine erste Filiale in Bielefeld.<ref name=Sage><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Sage - Fashion goes Sage KHK bei Modehaus Eickhoff ( vom 3. Januar 2006 im Internet Archive) (PDF)</ref>
1976 entdeckten sie bei einer Messe in Florenz die Entwürfe des jungen Designers Gianni Versace. Sogleich kauften sie seine Kollektionen Genny, Callaghan und Complice. Auch in der folgenden Saison kauften sie exklusiv bei Versace ein. Am 5. Februar 1978 veranstaltete Eickhoff schließlich im Stadttheater Lippstadt Versaces erste weithin beachtete Modenschau überhaupt.<ref>Sibylle Zehle: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Family of Fashion ( vom 26. Juni 2012 im Internet Archive) (PDF-Datei; 3,30 MB), in Manager Magazin, 4/2011 (mit Fotos), abgerufen am 17. September 2023.</ref> Choreografiert wurde sie von Nando Miglio; Top-Models wie Pat Cleveland und Jerry Hall zählten zu den Mannequins. Zahlreiche wohlhabende Kundinnen, Designerkollegen und einflussreiche Akteure der Modeszene, darunter Aenne Burda, reisten aus diesem Anlass in die westfälische Provinz. Die Produktion erfuhr große mediale Resonanz und hatte bedeutenden Anteil am Durchbruch des Hauses Eickhoff und des Modeschöpfers Versace.<ref name=Salmen/>
Im Jahr 1981 verlegte Eickhoff den Hauptsitz seines Unternehmens an die Königsallee 56 in Düsseldorf.<ref name=Schipp/> Das Geschäft in Lippstadt führte er noch bis 1995 weiter. Auch die Filiale in Bielefeld wurde verkauft.<ref name=Sage/> Später zog Eickhoff in den markanten Verkaufspavillon am Kö-Center (Königsallee 30) um,<ref name="Goldluecke">Regina Goldlücke: "Wir leben die Firma". In: welt.de. 7. März 2004, abgerufen am 17. September 2023.</ref> wo er ursprünglich seiner Tochter Susanne Asbrand-Eickhoff und ihrem Mann Stefan Asbrand-Eickhoff eine Boutique eingerichtet hatte.<ref name="Wilke">Katja Wilke: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Susanne Asbrand Eickhoff - Modequeen von der Kö ( vom 21. September 2009 im Internet Archive), ftd.de, 22. Oktober 2007, abgerufen am 17. September 2023.</ref><ref name=Creditreform>Creditreform - Backstage: Nachgefragt bei Susanne Asbrand-Eickhoff. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 10. Dezember 2019. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) </ref> 2006 übernahmen Tochter und Schwiegersohn die Leitung des Unternehmens, in dem Eickhoff gleichwohl weiterhin mitarbeitete.<ref name=Schipp/><ref name="Top">Razzia bei Albert Eickhoff: Verdacht auf Steuerhinterziehung. In: Der Spiegel. 13. November 2012, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. September 2023]). </ref> Auf einer Verkaufsfläche von 1.050 Quadratmetern erwirtschaftete Eickhoff zeitweise einen Jahresumsatz zwischen 20<ref name=Polte/><ref name=Sage/> und 25<ref name=Schipp/><ref name=Wilke/><ref name="Salmen2">Ingo Salmen: Entdecker von Gianni Versace, Der Patriot, 15. März 2011.</ref> Millionen Euro.
Am 12. November 2012 wurde Eickhoffs Villa im Düsseldorfer Vorort Meerbusch von Steuerfahndern durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Bochum beschuldigte ihn der Steuerhinterziehung.<ref name="Top" />
Nach der Eröffnung des Kö-Bogens gab Eickhoff 2013 das Ende seines Geschäfts bekannt. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nannte er als Grund die Expansion der Premium-Marken mit eigenen Ladengeschäften. 2014 wurde der markante Pavillon an der Ecke Königsallee/Königsstraße, der sich im Besitz der Familie Eickhoff befindet, für zehn Jahre an das französische Modehaus Dior vermietet.<ref>Düsseldorfer Modehaus Eickhoff: „Wir hören auf dem Höhepunkt auf“. In: FAZ.NET. 11. November 2013, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 17. September 2023]).</ref> Eickhoff behielt ein Büro an der Königsallee, von der aus die Familie Immobilien und eine Holding verwaltete.<ref>Christel Wickerath: Was macht eigentlich...Familie Eickhoff?: "Glücklich, dem Zeitkorsett entronnen zu sein". In: textilwirtschaft.de. 27. August 2021, abgerufen am 17. September 2023.</ref>
Albert und Brigitte Eickhoff haben neben Tochter Susanne noch einen Sohn. Marcus Eickhoff ist Gründer der Firma Maile, eines Versandhandelsunternehmens für Maßkonfektion.<ref name="Wilke" /><ref name="Ahrens">Klaus Ahrens, manager magazin: Maßkonfektion: Perfekte Passform. 5. Juni 2003, abgerufen am 17. September 2023.</ref>
Albert Eickhoff stellte das Konzept der Haute Couture zuletzt generell in Frage, da es kaum noch Kundschaft dafür gebe und das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr stimmen würde.<ref>Albert Eickhoff: Keine Kunden. In: FAZ.NET. 15. Juni 2004, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 17. September 2023]).</ref> Er selbst besuchte, nach eigenen Angaben, nie die Haute-Couture-Schauen, sondern interessierte sich nur für „Bügelware“.<ref>Tillmann Prüfer: Versaces Entdecker. In: zeit.de. 5. Mai 2011, abgerufen am 17. September 2023.</ref>
Leistungen
Eickhoff galt in Deutschland als „bekanntester Mode-Einzelhändler“<ref name=Schipp/> und Trendsetter im Bereich der Luxusmode, was sich sowohl auf die Etablierung neuer Marken als auch auf Verkaufsstrategien bezog. Hohe Abverkaufsquoten erzielte er durch den frühen Beginn der Saison und den frühen Beginn des jeweiligen Schlussverkaufs, was die Konkurrenz ebenfalls zu vorgezogenen Nachlässen zwang.<ref name="Aschke">Katja Aschke: Raus muß alles. In: zeit.de. 11. Februar 1994, abgerufen am 17. September 2023.</ref><ref name="Polte">Peter Paul Polte: „Unser Herbst ist schwarz.“ In: Textilwirtschaft, Nr. 29. 21. Juli 2005, S. 78, abgerufen am 17. September 2023. </ref> In den Medien wurden ihm deshalb Spitznamen wie „König der Allee“<ref name=Schipp/>, „King of Kö“<ref name=Creditreform/>, „Frauenflüsterer von der Kö“<ref name=Goldluecke/><ref name=Wilke/>, „Spürnase“<ref name="Schütte">Stefanie Schütte: Der Schneider ist wieder König. In: stern.de. 30. Dezember 2003, abgerufen am 17. September 2023.</ref> oder „Grandseigneur der Modewelt“<ref name="Welt">Kauf mich! - WELT. 16. November 2011, abgerufen am 17. September 2023.</ref> angeheftet.
Literatur
- Ingo Salmen, Christoph Motog: Mit Albert groß in Mode. Geschichten und Anekdoten aus Lippstadt. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2009, ISBN 978-3-8313-2061-5.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Eickhoff, Albert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Modehändler |
| GEBURTSDATUM | 28. November 1935 |
| GEBURTSORT | Horn |
| STERBEDATUM | 10. November 2022 |
| STERBEORT | Meerbusch |