Körnerbock
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| Körnerbock | ||||||||||||
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| Datei:Aegosoma scabricorne up.jpg
Körnerbock (Aegosoma scabricorne) vor Schlupfloch in Rosskastanie | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Aegosoma scabricorne | ||||||||||||
| (Scopoli, 1763) |
Der Körnerbock (Aegosoma scabricorne, Synonym: Megopis scabricornis) ist ein Käfer aus der Familie der Bockkäfer (Cerambycidae). Er ist der einzige seiner Gattung, der Breitböcke, in Europa.<ref name="www.faunaeur.org">Aegosoma scabricorne. Fauna Europaea, abgerufen am 22. August 2010.</ref>
Merkmale
Die Körperlänge der mittelbraun gefärbten Imagines beträgt 30 bis 55 Millimeter. Der Halsschild ist glockenförmig und ohne Dorn. Die Flügeldecken haben drei bis vier Längsrippen. Die Fühlerglieder sind auffällig gekörnt, was namensgebend ist. Die langen Fühler, bei den Männchen länger als der Körper, sind leicht gebogen. Bei den Weibchen ist der Legeapparat deutlich zu erkennen.<ref name=":0">Wurst, C.: Offizierssiedlung Mannheim, Benjamin-Franklin-Village – Untersuchungen zu Vorkommen Holzbewohnender Käferarten. 2014.</ref><ref>F. Severa: Der Kosmos-Käferführer : die mitteleuropäischen Käfer. 3. Auflage. Franckh, Stuttgart 1988, ISBN 3-440-05862-X.</ref>
Verbreitungsgebiet
A. scabricorne ist vom Kaukasus über den Nahen Osten bis zum Mittelmeerraum und dem südlichen Mitteleuropa verbreitet.<ref>Körnerbock - Waldnaturschutz-Informationssystem Baden-Württemberg. Abgerufen am 28. März 2021.</ref><ref name=":1">Jiří Foit, Josef Kašák, Jiří Nevoral: Habitat requirements of the endangered longhorn beetle Aegosoma scabricorne (Coleoptera: Cerambycidae): a possible umbrella species for saproxylic beetles in European lowland forests. In: Journal of Insect Conservation. Band 20, Nr. 5, Oktober 2016, ISSN 1366-638X, S. 837–844, doi:10.1007/s10841-016-9915-5 (springer.com [abgerufen am 28. März 2021]).</ref><ref name="www.faunaeur.org" /> In Deutschland kommt er entlang des Oberrheins vor, von Südbaden über Rheinland-Pfalz bis zum Taunus in Hessen.<ref name=":2">Burmeister, E.-G. & Müller, A.: Zum Fund von Megopis scabricornis (SCOPOLI, 1763) im Taunus. In: Nachrichtenblatt der Bayerischen Entomologen. Nr. 63 3/4), 2014, S. 91–93.</ref><ref name=":3">Joksch, K. & Lehmann, H.: Naturschutz und Verkehrssicherheit: Der streng geschützte Körnerbock wirft im Schlosspark Biebrich Fragen auf. Hrsg.: Sachverständigenbüro Leitsch GmbH.</ref> Einzelfunde gibt es in Brandenburg.<ref name=":2" /> Des Weiteren gibt es einen Totfund ungeklärter Herkunft in der Nähe des oberbayerischen Abschnitts der Salzach.<ref name=":4">Adelmann, W.: Diskussionspapier: Wiederfund des Körnerbocks in Bayern – zwei Interpretationen, eine Schlussfolgerung. In: Anliegen Natur. Band 40 (2), 2018, ISBN 978-3-944219-37-0, S. 87–90.</ref>
Lebensweise und Fortpflanzung
Der Körnerbock ist eine xylobionte Bockkäferart, die auf Altholz angewiesen ist.<ref name=":5">Jörg Müller, Heinz Bußler, Ulrich Bense, Hervé Brustel, Günther Flechtner: Urwald relict species – Saproxylic beetles indicating structural qualities and habitat tradition. In: Waldökologie online : AFSV-Berichte der Arbeitsgemeinschaft Forstliche Standorts- und Vegetationskunde. Nr. 2, 2005, S. 106–113.</ref><ref name=":6">Bense, U.: Verzeichnis und Rote Liste der Totholzkäfer Baden-Württembergs. In: Naturschutz Landschaftspflege Bad.Württ. Band 74, 2002.</ref> Er gilt als wärmeliebend und besiedelt lockere Laubbaumbestände, wie Hutewaldstrukturen, Lichtwälder, alte Parkanlagen, Alleen, Auwäldern und Streuobstwiesen.<ref name=":4" /><ref name=":3" /> Die Larven entwickeln sich mit einer Dauer von mindestens drei, bis zu vier, Jahren in Laubbäumen wie Pappeln, Linden, Weiden, Kirschbäumen, Birn- und Apfelbäumen sowie Rotbuchen, Ahornen und Hainbuchen, in Südeuropa vor allem Kastanien.<ref name=":0" /> Eichen werden nicht besiedelt.<ref name=":1" /><ref name=":0" /> Der Körnerbock bevorzugt starkes stehendes Totholz (ab 30 cm Durchmesser), besiedelt aber auch gerne anbrüchige und abgestorbene Teile noch lebender Baumexemplare.<ref name=":0" /> Besiedelte Bäume sind zu erkennen an typischen ovalen Schlupflöchern, deren größerer Durchmesser bis zu 20 mm beträgt.<ref name=":1" />
Die Larven verpuppen sich im Zeitraum Frühling bis Frühsommer des Schlupfjahres.<ref name=":0" /> Die Imagines fliegen des Nachts in den wärmsten Monaten Juli und August aus, mit einem Radius von bis zu 250 Metern um ihren Brutbaum, um sich zu paaren.<ref name=":0" /> Tagsüber verstecken sich die nachtaktiven Käfer unter loser Rinde oder in den Larvenfraßgängen der Brutbäume und kommen in den ersten Nachtstunden an die Baumoberfläche hervor.<ref name=":2" /><ref name=":4" />
Gefährdungsstatus
Die Art ist in Mitteleuropa sehr selten und gilt in Tschechien, der Schweiz, Österreich und Deutschland als vom Aussterben bedroht,<ref name=":1" /><ref name=":6" /> mit besonderer Verantwortlichkeit in Baden-Württemberg (siehe Bense 2002: Rote Liste Totholzkäfer Baden-Württemberg).
Sonstiges
A. scabricorne gilt als Urwaldstrukturzeiger.<ref name=":5" /> Er ist angewiesen auf eine weit zurückreichende Tradition von in Urwäldern häufigen, in der modernen Agrarlandschaft aber ausgesprochen seltenen Habitatstrukturen mit starkem, besonntem Laubbaum-Totholz und hat hohe Ansprüche an eine lang zurückreichende, kontinuierlich zur Verfügung stehende Bestandes- und Habitatstruktur.<ref name=":0" /><ref name=":5" /> Die Art wird als eine mögliche Schirmart zum Schutz und zur Repräsentanz einer großen Reihe mittel- und südeuropäischer xylobionter Spezies gesehen.<ref name=":1" /><ref name=":5" />
Einzelnachweise
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Literatur
- Karl Wilhelm Harde, Frantisek Severa und Edwin Möhn: Der Kosmos Käferführer: Die mitteleuropäischen Käfer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co KG, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-06959-1.
- Jiři Zahradnik, Irmgard Jung, Dieter Jung et al.: Käfer Mittel- und Nordwesteuropas. Parey, Berlin 1985, ISBN 3-490-27118-1.
Weblinks
- Aegosoma scabricorne bei Fauna Europaea. Archiviert vom Original im Internet Archive.