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Acheuléen

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Das Acheuléen (Aussprache [<templatestyles src="IPA/styles.css" />aʃøleˈɛ̃ː], {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist eine archäologische Kultur der Altsteinzeit. Ein auffälliges Merkmal dieser Kultur sind große abgeflachte, ovale oder zugespitzte, stets beidseitig bearbeitete Faustkeile. Ihre Steinwerkzeuge gehören vorwiegend dem Modus 2 an (Englisch mode 2) und sind für das Alt- und Mittelpaläolithikum charakteristisch. Das Acheuléen erschien erstmals vor 1,95 Millionen Jahren in Ostafrika und verschwand schließlich wieder vor 130.000 Jahren gegen Ende des Mittelpleistozäns.

Das Acheuléen ist mit rund 1,8 Millionen Jahren die am längsten andauernde Kulturstufe der Menschheit.

Etymologie

Der Begriff ist von der eponymen Fundstelle (Typlokalität) Saint-Acheul abgeleitet, einem heutigen Stadtteil von Amiens im Département Somme (Picardie) in Nordfrankreich. Hier wurden seit 1838 Faustkeile aus Feuerstein gefunden. An der Stelle des noch erhaltenen Schauprofils befindet sich heute der Archäologische Garten von Saint-Acheul.

Der Heilige Acheul war ein christlicher Märtyrer, der gegen Ende des 3./Anfang des 4. Jahrhunderts von den Römern unter der Regentschaft der Kaiser Maximian/Diokletian enthauptet wurde. Sein Name leitet sich vom Lateinischen Aciolus ab. Vergleichbar sind die Namen Acceul und Ache, wobei der Heilige Ache ebenfalls enthauptet wurde.

Erstbeschreibung

Die charakteristischen Faustkeile stammen aus einer Terrasse der Somme östlich von Amiens. Nach Besuchen sowohl von Abbeville als auch in Saint-Acheul durch den Geologen Joseph Prestwich wurde endlich das recht hohe Alter der Steinwerkzeuge akzeptiert. Prestwichs Bericht zu dieser Sache wurde in den Proceedings of the Royal Society für 1859/1860 veröffentlicht.

Die Steinartefakte wurden im Jahr 1872 erstmals von Louis Laurent Gabriel de Mortillet als Teil der L'époque de Saint-Acheul beschrieben.<ref>Louis Laurent Gabriel de Mortillet: Classification de l'Âge de la pierre. In: Matériaux pour l'Histoire primitive et naturelle de l'Homme. huitième année, 2° série, T. 3, 1872, S. 464–465.</ref> Im Jahr 1925 wurde diese Steinzeitindustrie in Acheuléen (engl. Acheulean) umbenannt.

Einführung

Während das Alt-Acheuléen dem Altpaläolithikum angehört, wird – je nach Bearbeiter – zum Teil bereits das Mittelacheuléen,<ref name="Neue Forschungen Altpaläolitikum">Joachim Hahn: Südeuropa und Nordafrika. Hrsg.: O. Bar-Yosef und Kollegen, Neue Forschungen zur Altsteinzeit. Band 4. Beck, München 1984, S. 50.</ref> einheitlich jedoch das Jungacheuléen durch das Vorhandensein der Levalloistechnik dem Mittelpaläolithikum zugeordnet.<ref name="Bosinski 1967">Gerhard Bosinski: Die mittelpaläolithischen Funde im westlichen Mitteleuropa. In: Fundamenta. A/4. Köln/Graz 1967.</ref>

Werkzeuge des Acheuléens treten in Afrika erstmals im Early Stone Age vor etwa 1,95 Millionen Jahren auf.<ref name="Mussietal23">Margherita Mussi und Kollegen: Early Homo erectus lived at high altitudes and produced both Oldowan and Acheulean tools. In: Science. Band 382, Nr. 6671, 2023, S. 713–718, doi:10.1126/science.add9115.</ref><ref name="Lepre u. a., 2011">Christopher J. Lepre und Kollegen: An earlier origin for the Acheulian. In: Nature. Band 477, 2011, S. 82–85, doi:10.1038/nature10372.</ref> Ihnen voran gingen Geröllgeräte des Oldowans als älteste Werkzeuge der Menschheit. Als Hersteller der Faustkeilkulturen kommen die gleichzeitig in Ostafrika existierenden Hominini-Arten Homo habilis, Homo rudolfensis und Homo ergaster bzw. Homo erectus – Letzterer trat erstmals vor rund 1,8 Millionen Jahren in Erscheinung – in Frage.<ref>B. Wood: Human Evolution – A Very Short Introduction. Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 978-0-19-280360-3.</ref> Faustkeile erscheinen im gesamten Afrika und in den meisten Regionen Eurasiens, wo sie jedoch erst deutlich später, vor etwa 600.000 Jahren häufiger nachgewiesen sind.

Neben Faustkeilen gibt es im Acheuléen weitere typische Steinwerkzeuge. In Afrika sind das große Hackmesser (Cleaver) und Abschläge, im europäischen Acheuléen vor allem Schaber und kleine Faustkeile, die auch Fäustel genannt werden.

Forschungsgeschichte

Datei:Biface de St Acheul MHNT.jpg
Faustkeil aus Saint-Acheul

Die bis zu wahrscheinlich etwa 500.000 Jahre alten Fundschichten von Saint-Acheul wurden 1838 von Jacques Boucher de Perthes entdeckt. Jedoch hatte zuvor bereits John Frere im Jahre 1797 einige Faustkeile vom Fundplatz Hoxne in Suffolk bei der Society of Antiquaries of London eingereicht, die aber von der Wissenschaft nicht akzeptiert wurden.<ref>Ofer Bar-Yosef und A. Belfer-Cohen: From Africa to Eurasia – Early Dispersals. In: Quaternary International. Band 75, 2001, S. 19–28.</ref> Auch die Funde von Boucher de Perthes wurden zunächst abgelehnt, bis Marcel Jérôme Rigollot in denselben Schichten weitere Faustkeile fand, deren Alter vom Geologen Joseph Prestwich bestätigt wurde.

Ab 1869 schuf Gabriel de Mortillet anhand von namengebenden (eponymen) Fundstellen in Frankreich eine Klassifizierung und Nomenklatur der Perioden des Paläolithikums unter Einbeziehung des Acheuléens.<ref>Gabriel de Mortillet: Essai d’une classification des cavernes et des stations sous abri fondée surles produits de l’industrie humaine. In: Materiaux pour l’histoire de l’Homme. 5, Paris 1869, S. 172–179.
Gabriel de Mortillet: Classification des diverses périodes de l’age de la pierre. In: Revue d’Anthropologie. I, Paris 1872, S. 432–435.</ref> Das europäische Acheuléen (ab ca. 600.000 vor heute) wurde 1924 von Hugo Obermaier in Alt- und Jung-Acheuléen geteilt (Grenze bei ca. 300.000 vor heute). Klaus Günther führte 1964 zusätzlich das Spätacheuléen ein. Heute gilt eine – chronologisch nicht klar fassbare Unterteilung – in Alt-, Mittel- und Jung-Acheuléen.

Besonders das Ende des Acheuléens ist unklar umrissen, zum Beispiel im subsaharischen Afrika beim Sangoan. So zeigt sich, dass viele Inventare der von Gerhard Bosinski eingeführten „Lebenstedter Gruppe“ des Jung-Acheuléens<ref name="Bosinski 1967" /> heute in die mittlere Würm-Kaltzeit bzw. Weichsel-Kaltzeit (60.000 bis 50.000 vor heute) zu datieren sind und der eponyme Fundplatz von Salzgitter-Lebenstedt in das Micoquien zu stellen ist. Daneben bestehen während der frühen Weichsel-Kaltzeit unscharf definierte Grenzen zwischen Acheuléen und Moustérien de tradition Acheuléen (MTA) – zum Beispiel Fundstelle Ochtmissen bei Lüneburg. Hauptcharakteristikum ist stets das Vorhandensein von Faustkeilen, verbunden mit einer großformatigen Abschlag-Industrie mit Schabern.<ref name="Bosinski 1967" /> Sowohl die evolutionistische Sichtweise eines primitiven Acheuléens (Abbevillien oder Protoacheuléen), als auch die Gegenüberstellung faustkeilfreier Inventare als Clactonien sind heute überholt. Obwohl ein genereller Entwicklungstrend zu regelmäßigen und dünneren Faustkeilen besteht, kommen diese vereinzelt schon vor mindestens 500.000 Jahren vor, zum Beispiel im Boxgrove Quarry in England.

Geographische Verbreitung

Datei:Bifaz Handhaxe Biface.gif
Typischer bifazialer (das heißt beidseitig bearbeiteter) Faustkeil des Acheuléens

Die geographische Verbreitung des Acheuléens ist in paläoklimatischen und ökologischen Faktoren begründet, wobei sowohl die Eiszeiten als auch die Desertifikation der Sahara eine Rolle gespielt haben.<ref>L. Todd, M. Glantz und J. Kappelman: Chilga Kernet: An Acheulean landscape on Ethiopia's western plateau. In: Antiquity. Band 76, Nr. 293, 2015, S. 611–612.</ref> Werkzeuge des Acheuléens wurden auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gefunden, bis hin zum Regenwald am Kongo. Die Verbreitung nach Norden erfolgte vermutlich über Kleinasien und die Arabische Halbinsel ins heutige Iran<ref>F. Biglari und S. Shidrang: The Lower Paleolithic Occupation of Iran. In: Near Eastern Archaeology. Band 69, Nr. 3–4, 2006, S. 160–168.</ref> und Pakistan bis nach Indien und darüber hinaus. Die so genannte Movius-Linie, die die weiteste geographische Ausbreitung der Faustkeilkulturen in Asien anzeigen soll, gilt heute jedoch als veraltet, da Faustkeile auch in Südostasien gefunden wurden. Neue Funde aus Südchina (zum Beispiel Bose-Region) sowie von der philippinischen Insel Luzon zeigen die Verbreitung von Faustkeilen bis ins östliche Südostasien an und damit weit jenseits der Movius-Linie.<ref>Alfred F. Pawlik: The Palaeolithic Site of Arubo 1 in Central Luzon, Philippines. In: Bulletin of the Indo-Pacific Prehistory Association. Band 24, 2004, S. 3–12.</ref>

In Europa ist die Einführung von Faustkeilen im mediterranen Raum bereits vor etwa 900.000 Jahren belegt,<ref>Gary R. Scott und Luis Gibert: The oldest hand-axes in Europe. In: Nature. Band 461, 2009, S. 82–85, doi:10.1038/nature08214.</ref> nördlich der Alpen dagegen frühestens vor etwa 600.000 Jahren (Fundplatz Boxgrove Quarry).

Datierung

Absolutalter von frühen Steinwerkzeugen können durch Techniken wie beispielsweise Radiometrie – gewöhnlich Kalium-Argon-Datierung – und Magnetostratigraphie ermittelt werden. So konnten Faustkeile aus der Konso-Formation (sie befanden sich in vulkanischen Aschen) in Äthiopien auf 1,5 Millionen Jahre radiometrisch datiert werden.<ref name="Asfaw">Berhane Asfaw, Yonas Beyene, Gen Suwa, Robert C. Walter, Tim D. White, Giday WoldeGabriel und Tesfaye Yemane: The earliest Acheulean from Konso-Gardula. In: Nature. Band 360, Nr. 6406, 1992, S. 732–735, doi:10.1038/360732a0.</ref> Ein vergleichbares Alter von bis zu 1,5 Millionen Jahren vor heute besaßen Steinwerkzeuge des Acheuléens in Südasien (Südindien).<ref name="Pappu">Shanti Pappu, Yanni Gunnell, Kumar Akhilesh, Régis Braucher, Maurice Taieb, François Demory und Nicolas Thouveny: Early Pleistocene Presence of Acheulian Hominins in South India. In: Science. Band 331, Nr. 6024, 2011, S. 1596–1599, doi:10.1126/science.1200183.</ref> Im Jahr 2003 konnten dann Proben aus der West-Turkana-Region Kenias beschrieben werden, deren Alter mittels magnetostratigraphischer Methoden auf 1,76 Millionen Jahre bestimmt wurde.<ref>Hélène Roche, Jean-Philip Brugal, Anne Delagnes, Craig Feibel, Sonia Harmand, Mzalendp Kibunjia, Sandrine Prat und Pierre-Jean Texier: Les sites archéologiques plio-pléistocènes de la formation de Nachukui, Ouest-Turkana, Kenya: bilan synthétique 1997–2001. In: Comptes Rendus Palevol. Band 2, Nr. 8, 2003, S. 663–673, doi:10.1016/j.crpv.2003.06.001.</ref> Funde aus Äthiopien erbrachten im Jahr 2023 sogar Alter von rund 1,95 Millionen Jahren.<ref name="Mussietal23" />

Zeitstufen

Datei:Bifaz de San Isidro (M.A.N. 1942-101-4-4723) 01.jpg
Acheuléen-Faustkeil, Fundort San Isidro bei Madrid, etwa 200.000 Jahre alt

Das Acheuléen folgte auf das vorangegangene Oldowan.

In der habituellen Vierteilung der prähistorischen Steinzeitindustrien nehmen Artefakten des Acheuléens den Modus 2 ein, der auf den Modus 1 des Olduwans bzw. Abbevilliens folgte und bereits eine technische Fortentwicklung darstellt. Dennoch reichte der Modus 2 keinesfalls an das Niveau des anschließenden Modus 3 heran, der ins Mittelpaläolithikum gehört und vom Moustérien repräsentiert wird. Der Modus 3 entwickelte sich erstmals vor 500.000 Jahren in Afrika, jedoch erst ab 385.000 Jahren in Indien. Die Industrien des Modus 4 erschienen erst lange nachdem das Acheuléen aufgegeben worden war.

Das Acheuléen wird seinerseits wie folgt unterteilt:

Alt-Acheuléen

Sogenannte Protofaustkeile in Afrika werden der Stufe des Alt-Acheuléens zugeordnet. Auf ein Alter von 1,76 Mio. Jahre datierte Funde stammen beispielsweise aus Kokiselei vom Westufer des Turkana-Sees in Kenia;<ref name="Lepre u. a., 2011" /> nahezu gleich alte, auf 1,75 Mio. Jahre datierte Funde stammen aus der Konso Formation im südlichen Äthiopien und wurden – wie die Funde vom Turkana-See – mit Homo erectus in Verbindung gebracht.<ref>Yonas Beyene und Kollegen: The characteristics and chronology of the earliest Acheulean at Konso, Ethiopia. In: PNAS. 2013, doi:10.1073/pnas.1221285110.</ref> Ebenfalls mit Homo erectus assoziiert sind rund 1,95 Millionen Jahre alte Funde von Steingerät und Knochen aus der Fundstelle Garba IV von Melka Kunturé in Äthiopien.<ref name="Mussietal23" />

Die ältesten Funde des nordalpinen Europas stammen vom Fundplatz Boxgrove Quarry. Der Großteil der europäischen Acheuléen-Funde fallen jedoch in die Holstein-Warmzeit und in die anschließende Abkühlungsphase des frühen Saale-Komplexes. Die Mehrzahl der Fundorte im Vereisungsgebiet dürfte durch Solifluktion der nachfolgenden Saalekaltzeit (bzw. alpinen Riß-Kaltzeit) zerstört worden sein.

Der Faustkeil stellt hierbei die wichtigste Zäsur bei den Steinwerkzeugen dar. Erstmals wurden für einzelne Tätigkeiten spezialisierte Typen hergestellt. Faustkeile bilden oft nur einen geringen Teil im Fundniederschlag des Acheuléens. Weitaus häufiger sind Abschläge und daraus gearbeitete Geräte (zum Beispiel Schaber).

Mittel-Acheuléen

Im Mittel-Acheuléen verbessert sich die Fundlage. Neue und besser bearbeitete Geräte wurden gefunden. Die Faustkeile sind lanzenförmig, die Abschlaggeräte zahlreich. Es finden sich Schaber, Spitzen, gezähnte Werkzeuge und Bohrer. Bereits ab dem mittleren Acheuléen wurden vereinzelt Geräte in der sogenannten Levalloistechnik (Schildkern-Technik) hergestellt,<ref name="Neue Forschungen Altpaläolitikum" /> die für das Mittelpaläolithikum typisch werden. Das Mittel-Acheuléen ist in Westeuropa weit verbreitet, Funde gibt es aus ganz Frankreich, England (Swanscombe-Schädel) und Belgien.

In Südafrika entdeckte, 500.000 Jahre alte Steinartefakte wurden im Jahr 2012 als Projektilspitzen interpretiert; sollte diese Deutung korrekt sein, wären die aus der Fundstelle Kathu Pan 1 (KP1) stammenden Funde die ältesten Belege für die Nutzung von Speeren.<ref>Jayne Wilkins, Benjamin J.Schoville, Kyle S.Brown und Michael Chazan: Evidence for Early Hafted Hunting Technology. In: Science. Band 338, Nr. 6109, 2012, S. 942–946, doi:10.1126/science.1227608 ([1] [PDF]).</ref>

Jung-Acheuléen

Datei:Vuistbijl in silex, 250 000 tot 38 000 BP, vindplaats- Meeuwen, In den Damp, 21.10.1985.jpg
Mittelpaläolithischer Faustkeil aus Feuerstein, Fundort Meeuwen (Belgien), Gallo-Römisches Museum Tongeren

In die Zeit des Jungacheuléens – es beginnt in der späten Riß-Kaltzeit (bzw. Saale-Kaltzeit) und endet zu Beginn der letzten Kaltzeit – fällt der Übergang vom Homo erectus zum Neandertaler. Die hergestellten Werkzeuge gewannen weiter an Qualität. Es treten lanzenförmige aber auch herz- und mandelförmige Faustkeile auf, die sich durch fein herausgearbeitete Spitzen und geradlinige Seitenkanten auszeichnen. Die teilweise über die reine Funktionalität hinaus gestalteten Faustkeile werden als Anzeichen ästhetischen Empfindens interpretiert. Die mit Levalloistechnik bearbeiteten Geräte bilden innerhalb der Jungacheuléen-Inventare oft eine Teilmenge. Abschlaggeräte sind oft vom typischen Moustérien kaum noch zu unterscheiden. Funde gibt es aus Frankreich, England, Belgien, Portugal und Spanien.

Spätacheuléen

Die letzte Stufe, das Spätacheuléen, lag zum Teil im selben Zeitraum wie die folgenden Stufen des Micoquiens bzw. des Moustériens. Gleichzeitig mit dem Acheuléen erscheinen die Kulturen des Clactoniens und des Tayaciens. Die Kultur des Acheuléens endete in Afrika und im Nahen Osten vermutlich früher als in Europa und Asien.<ref name="Key">Alastair J. M. Key, Ivan Jarić und David L. Roberts: Modelling the end of the Acheulean at global and continental levels suggests widespread persistence into the Middle Palaeolithic. In: Humanities and Social Sciences Communications. Band 8, Nr. 55, 2021, doi:10.1057/s41599-021-00735-8.</ref>

In Europa und in Westasien benutzten frühe Neandertaler anfangs noch die Technologie des Acheuléens, wechselten aber ab zirka 320.000 Jahre vor heute zum fortgeschritteneren Moustérien über. Dieser Verdrängungsprozess war in Europa und im Nahen Osten um 125.000 Jahre vor heute abgeschlossen. Auch in Afrika war das Acheuléen zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden. Dennoch besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich das Acheuléen in Ostasien bis 50.000 Jahre vor heute gehalten hat.<ref name="Key" />

Das Ende des Acheuléens ist nur schlecht definiert. Falls das Sangoan (bzw. Epi-Acheuléen) zum Acheuléen hinzugerechnet wird, so dauerte es insgesamt bis zum Beginn der Eem-Warmzeit um 130.000 Jahre vor heute.

Neuvorschlag

Im Jahr 2016 machten L. Gonen Sharon und Deborah Barsky einen Neuvorschlag zur Gliederung des Acheuléens, der folgende einfachere Dreiteilung umfasst (von jung nach alt):<ref>L. Gonen Sharon und Deborah Barsky: The Emergence of the Acheulean in Europe: An Eastern Perspective. In: Quaternary International. Band 411, 2016, S. 25–33.</ref>

  • Spätes Acheuléen (Late Acheulean) – 500.000 bis 100.000 Jahre vor heute
  • Großabschlag-Acheuléen (Large Flake Acheulean oder abgekürzt LFA) bzw. Mittleres Acheuléen<ref>Gonen Sharon: Acheulean Large Flake Industries: Technology, Chronology, and Significance. In: British Archaeological Reports. 2007, S. 1701.</ref> – 1000.000 bis 500.000 Jahre vor heute
  • Frühes Acheuléen (Early Acheulean) – 1950.000 bis 1000.000 Jahre vor heute

Das LFA kennzeichnet sich durch die Herausbildung einer Vielzahl von volumetrisch komplexer Bearbeitungsabläufen aus. Ziel ist die Gewinnung von Ausgangsstücken (engl. blanks), die dann nur noch geringer Abänderung bedürfen, um schließlich standardisierte große Schneidwerkzeuge (engl. Large Cutting Tools oder abgekürzt LCTs) zu erhalten. Mit dem LFA beginnt in Westeuropa das Acheuléen, das Frühe Acheuléen fehlt hier.<ref>P. García‐Medrano, Marie‐Helene Moncel, E. Maldonado‐Garrido, A. Ollé, und N. Ashton: The Western European Acheulean: Reading Variability at a Regional Scale. In: Journal of Human Evolution. Band 179, 2023, S. 103357.</ref> Das LFA tritt vor allem auf der Iberischen Halbinsel auf, kann aber gelegentlich auch in Südwestfrankreich und in Griechenland angetroffen werden.

Lebensweise

Über die Lebensweise des Homo erectus geben die Fundplätze des Acheuléens Auskunft. Die meisten Fundstellen sind Freilandfundplätze. Erst später wurden zunehmend auch Höhlen bewohnt. Erste Spuren der Nutzung des Feuers finden sich in der Mindel-Kaltzeit (bzw. Elster-Kaltzeit). Größeres Wild, zum Beispiel Waldnashorn und Waldelefant, wurde bereits regelmäßig gejagt, wie man aus dem recht häufigen Fund von Knochen zusammen mit Werkzeugen des Acheuléens erkennen kann. Gräber haben sich nicht erhalten. Man weiß auch nichts über die soziale Organisation oder religiöse Ansichten der damaligen Menschen.

Steinwerkzeuge, die 2008 und 2009 von einem amerikanisch-griechischen Forschungsteam bei Plakias an der südwestlichen Küste Kretas gefunden wurden, legen die Vermutung nahe, dass die Frühmenschen womöglich schon vor 700.000 Jahren in der Lage waren, als Seefahrer ferne Küsten zu erreichen.<ref>On Crete, New Evidence of Very Ancient Mariners. In: The New York Times. 15. Februar 2010, abgerufen am 5. Juli 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

<mapframe text="Ausgewählte Acheuléen Fundstellen aus der ROAD Datenbank (CC BY-SA 4.0 ROCEEH)" width="450", height="350"> {

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Ausbreitung

Ausgehend von Ostafrika erreichte die Kultur des Acheuléens relativ rasch den Nahen Osten und Indien, aber erst sehr viel später Europa. In Indien lässt sich die Kultur bereits 1,5 Millionen Jahre vor heute nachweisen, im Nahen Osten mit der Fundstätte Ubeidiya in Israel um 1,4 Millionen Jahre vor heute.

In Europa folgt das Acheuléen mit sehr starker Verzögerung erst ab 760.000 Jahren vor heute auf das Oldowan. Dennoch werden aber bereits ab 850.000 Jahren vor heute erste Faustkeile in Spanien angetroffen. So sind seltene Funde im Mittelmeerraum (beispielsweise von Barranc de la Boella bei Tarragona in Spanien) bereits eindeutig vor 700.000 Jahren vor heute anzutreffen.

Nach der Brunhes-Matuyama-Umkehr vor 780.000 Jahren lässt sich beispielsweise in Italien eine Faunenerneuerung feststellen, gleichzeitig war die Fauna des Villafranchiums am Verschwinden.<ref>Giorgio Manzi, D. Magri und M. R. Palombo: Early-Middle Pleistocene environmental changes and human evolution in the Italian peninsula. In: Quaternary Science Reviews. Band 30, 2011, S. 1420–1438.</ref> Gleichermaßen war ein Rückgang in den Steinindustrien des Altpaläozoikums zu beobachten, welcher eine bedeutende demographische Bevölkerungsabnahme – wenn nicht sogar ein totales Verschwinden homininer Populationen – nahelegt.<ref name="Di Vicenzo">Fabio Di Vicenzo und Giorgio Manzi: Homo heidelbergensis as the Middle Pleistocene common ancestor of Denisovans, Neanderthals and modern humans. In: Journal of Mediterranean Earth Sciences. Band 15, 2023, S. 303–315, doi:10.13133/2280-6148/18074.</ref>

Erst ab MIS 16 vor 650.000 Jahren lassen sich in Europa mit menschlichen Überresten assoziierte Artefakte des Acheuléens dokumentieren.<ref>M.-H. Moncel: Les débuts de l’Acheuléen en Europe entre 700 et 650 ka, les nouvelles de l’Archéologie. In: Archéologie et grande transition. Band 161, 2020, S. 12–18.</ref> Diese Überreste unterscheiden sich jetzt aber durch ihre neuartige Morphologie vom bisher während des Altpaläozoikums in Spanien anzutreffenden Homo antecessor.<ref name="Di Vicenzo" />

Datei:Atlanthropus mauritanicus.jpg
Unterkiefer des Atlanthropus mauritanicus von Tighennif in Algerien

Die entdeckten Steinwerkzeuge und die fossil erhaltenen Skelettfragmente lassen zum Zeitpunkt der Matuyama-Brunhes-Umkehr eine deutliche Diskontinuität erkennen. Diese verweist auf eine eventuelle Verbreitung prähistorischer Menschen von Afrika über den Nahen Osten nach Europa. Die Unterkiefer von Mauer in Deutschland und von der Höhle von Arago in Frankreich zeigen keinerlei Ähnlichkeiten mit den Unterkiefern des Homo antecessor aus der Gran Dolina der Sierra de Atapuerca in Spanien. Vielmehr stehen sie den 700.000 Jahre alten Unterkiefern von Tighennif in Algerien nahe.

All dies verstärkt die Hypothese, nach der Homo heidelbergensis aus Afrika eingewandert war und sich in Eurasien ausgebreitet hatte – mitsamt seiner Steinwerkzeuge des Acheuléens.<ref>A. Profico, Fabio Di Vicenzo, L. Gagliardi, M. Piperno und Giorgio Manzi: Filling the gap. Human cranial remains from Gombore II., Melka Kunture., Ethiopia; ca. 850 ka and the origin of Homo heidelbergensis. In: Journal of Anthropological Sciences. Band 94, 2016, S. 41–63.</ref> Gleichzeitig wird damit die Hypothese gestützt, dass Homo heidelbergensis der letzte gemeinsame Vorfahre von Homo neanderthalensis (in Europa), Homo sapiens (in Afrika) und Homo altaiensis (auch Denisova-Mensch – in Asien) gewesen sein dürfte.<ref name="Di Vicenzo" />

Fundstätten in Deutschland

  • Bilzingsleben (Landkreis Sömmerda) – zirka 380.000 Jahre vor heute<ref>Dietrich Mania und Manfred Altermann: Zur Geologie des altpaläolithischen Fundhorizontes von Bilzingsleben (Thüringen) unter Berücksichtigung des geologischen Wirkfaktors „Mensch“. In: Hercynia N. F. Band 37, 2004, S. 143–184 (Volltext (PDF).).</ref>
  • EhringsdorfEhringsdorfer Urmensch – zirka 230.000 Jahre vor heute<ref>Tim Schüler: ESR-Datierung von Zahnschmelz aus dem Unteren Travertin von Weimar-Ehringsdorf. In: Alt-Thüringen. Band 28, 1994, S. 9–23 (Volltext.).</ref>
  • Kärlich (Landkreis Mayen-Koblenz) → Homo erectus von Mülheim-Kärlich – vor 440.000 Jahren vor heute<ref>Emil Hoffmann: Lexikon der Steinzeit. München 1999, ISBN 3-406-42125-3, S. 197.</ref>
  • Lübbow<ref>L. Steguweit: Neue Untersuchungen am mittelpleistozänen Flintinventar von Lübbow. In: Ldkreis Lüchow-Dannenberg. Die Kunde. N. F. Band 49, 1998, S. 1–40.</ref> und Woltersdorf (beide Landkreis Lüchow-Dannenberg),<ref>D. Schäfer: Untersuchungen zum frühsaalezeitlichen Paläolithikum von Woltersdorf (Lkr. Lüchow-Dannenberg). In: Beiträge zur Steinzeit in Niedersachsen. Teil I: Veröffentlichungen der urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums zu Hannover. Band 47. Isensee, Oldenburg 1997.</ref> auch „Öring-Paläolithikum“ genannt<ref>W. Dürre: Das Öring-Paläolithikum: Ein Diskussionsbeitrag zum Übergang vom Alt- zum Mittelpaläolithikum. In: Jahreshefte für Heimatforschung und Heimatpflege. Heimatbund des Kreises Soltau, Schneverdingen 1991.</ref>
  • Markkleeberg (Landkreis Leipzig),<ref>W. Bernhardt und A. Rudolph: Die mittelpaläolithischen Steinartefakte der Sammlung F. Mann im Naturkundemuseum Leipzig. In: Veröffentlichungen des Naturkundemuseums Leipzig. Band 13, 1995, S. 1–22.</ref><ref>W. Baumann, Dietrich Mania, V. Toepfer und L. Eissmann: Die paläolithischen Neufunde von Markkleeberg bei Leipzig. In: Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden. Band 16. Berlin 1983.</ref> Eythra,<ref>L. Eissmann, W. Bernhardt und A. Rudolph: Die Acheuléenfunde von Eythra bei Leipzig. In: Arch. Korr. Band 25, 1995, S. 275–289.</ref> Cospuden (beide Kreis Leipzig-Land),<ref>L. Eissmann und Kollegen: Die paläolithischen Steinartefakte aus dem Tagebau Cospuden bei Leipzig. In: Veröffentlichungen des Naturkundemuseum Leipzig. Band 14, 1996, S. 1–23.</ref> Zwochau (Landkreis Nordsachsen)<ref>C. Pasda: Silexverarbeitung am Rohmaterialvorkommen im Mittelpleistozän. Ergebnisse der Rettungsgrabung in Zwochau (Kr. Delitzsch). In: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege. Band 38, 1996, S. 13–56.</ref>
  • Mauer bei Heidelberg (→ Unterkiefer von Mauer) – zirka 600.000 Jahre vor heute<ref>G. A. Wagner, M. Krbetschek, G. Degering, J.-J. Bahain, Q. Shao, C. Falguères, P. Voinchet, J.-M. Dolo, T. Garcia und G. Philip Rightmire: Radiometric dating of the type-site for Homo heidelbergensis at Mauer, Germany. In: PNAS. Band 107, Nr. 46, 2010, S. 19726–19730.</ref>
  • Reilingen (Rhein-Neckar-Kreis) – um 300.000 Jahre vor heute<ref>David Dean, Jean-Jacques Hublin, Ralph Holloway und Reinhard Ziegler: On the phylogenetic position of the pre-Neandertal specimen from Reilingen, Germany. In: Journal of Human Evolution. Band 34, 1998, S. 485–508 ([2] [PDF]).</ref>
  • Rheindahlen (Nordrhein-Westfalen)<ref>J. Klostermann und J. Thissen: Die stratigraphische Stellung des Lößprofils von Mönchengladbach-Rheindahlen (Niederrhein). In: Eiszeitalter und Gegenwart. Band 45, 1995, S. 42–58, doi:10.3285/eg.45.1.05.</ref><ref>H. Thieme: Siedlungsstrukturen der saalezeitlichen Fundschicht B3 (Ostecke) in Rheindahlen (BRD). In: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift. Band 30, 1989, S. 561–572.</ref>
  • Salzgitter-Lebenstedt („Lebenstedter Gruppe“ des Jung-Acheuléen, heute ins Micoquien gestellt)<ref>A. Pastoors: Die mittelpaläolithische Freilandstation Salzgitter-Lebenstedt (Niedersachsen). In: Unterlagen zur 40. Tagung der H. Obermaier-Gesellschaft. 1998, S. 12–13.</ref>
  • Steinheim an der Murr (Landkreis Ludwigsburg, → Homo steinheimensis) – zirka 280.000 Jahre vor heute<ref>F. Berckhemer: Der Urmenschenschädel aus den

zwischeneiszeitlichen Fluß-Schottern von Steinheim an der Murr. In: Forschungen und Fortschritte. Band 12, 1936, S. 349–350.</ref>

  • Wallendorf (Saalekreis)<ref>T. Weber: Analytische Untersuchungen und Entwicklungstendenzen der Technologie altpaläolithischer Inventare von Wallendorf, Bilzingsleben und Markkleeberg. In: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift. Band 21, 1980, S. 53–71.</ref>

Fundstätten weltweit

Datei:Acheulean hand-axe from Egypt. Found on a hill top plateau, 1400 feet above sea level, 9 miles NNW of the city of Naqada, Egypt. Paleolithic. The Petrie Museum of Egyptian Archaeology, London.jpg
Faustkeil des Acheuléens, 15 Kilometer nordwestlich von Naqada in Ägypten
  • Ägypten
    • Umgebung von Naqada<ref>P. M. Vermeersch, E. Paulissen und P. Van Peer: Le Paléolithique de la Vallée du Nil Ègyptien. In: L’Anthropologie. Band 94, 1990, S. 435–458.</ref>
  • Äthiopien
    • Gadeb<ref>John Desmond Clark: Transitions: Homo erectus and the Acheulian: the Ethiopian sites of Gadeb and the Middle Awash. In: Journal of Human Evolution. Band 16, Nr. 7–8,, 1987, S. 809–826.</ref> – 1450.000 bis 700.000 Jahre vor heute
    • Konso-Gardula – 1500.000 Jahre vor heute<ref name="Asfaw" />
    • Melka Kunturé<ref>Jean Chavaillon und Marcello Piperno: Studies on the Early Paleolithic site of Melka Kunture, Ethiopia (2 vol). Istituto Italiano di Preistoria e Protostoria, Florenz 2004, S. 736.</ref>
  • Algerien
    • Tabelbala-Tachenghit<ref>B. Champault: L'Acheuléen évolué au Sahara occidental - Notes sur l'homme au Paléolithique ancien. In: Doktorarbeit. Institut de Paléontologie Humaine (IPH), Museum national d’histoire naturelle, Paris 1966, S. 1068.</ref>
    • Tighennif<ref>Denis Geraads, Jean-Jacques Hublin, Jean-Jacques Jaeger, Haiyan Tong, Sevket Sen und Philippe Toubeau: The Pleistocene Hominid site of Ternifine, Algeria: new results on the environment, age, and human industries. In: Quaternary Research. Band 25, 1986, S. 380–386.</ref> – schätzungsweise 700.000 Jahre vor heute
  • Aserbaidschan
    • Asych-Höhle in Bergkarabach – über 300.000 Jahre alt. Die Höhle enthält aber auch dem Oldowan ähnelnde Fund, die mit 730.000 bis 1500.000 Jahre vor heute angegeben werden.<ref>V. Doronichev: The Lower Paleolithic in Eastern Europe and the Caucasus: A Reappraisal of the Data and New Approaches. In: PaleoAnthropology. 2008, S. 147.</ref>
  • Demokratische Republik Kongo
    • La Kamoa<ref>D. Cahen: Le site archéologique de La Kamoa (région de Shaba, République du Zaïre) de l'Âge de Pierre ancien à l'Âge du fer. In: Annales, série n-8°, Sciences humaines / Musée royal de l'Afrique centrale. Band 84. Tervuren, Belgien 1975, S. 365.</ref>
Datei:Swanscombe occipital 01.jpg
Swanscombe-Schädel mit Hinterhauptloch
  • England
    • Barnham, Suffolk (East Farm) – zirka 400.000 Jahre vor heute. Älteste bekannte Feuerstelle.<ref>Nick Ashton, John McNabb, Brian Irving, Simon Lewis und Simon Parfitt: Contemporaneity of Clactonian and Acheulian flint industries at Barnham, Suffolk. In: Antiquity. Band 68, Nr. 260, 2013, S. 585–589, doi:10.1017/S0003598X00047074.</ref>
    • Beeches Pit nordwestlich von Bury St Edmunds in Suffolk – zirka 400.000 Jahre vor heute. Zusammen mit Barnham älteste Nachweise für die Nutzung des Feuers in Europa.<ref>Wil Roebroeks und Paola Villa: On the earliest evidence for habitual use of fire in Europe. In: PNAS. Band 108, Nr. 13, 2011, S. 5209–5214, doi:10.1073/pnas.1018116108.</ref>
    • Boxgrove – um 505.000 Jahre vor heute – MIS 13<ref>Dietrich Stout, Jan Apel, Julia Commander und Mark Roberts: Late Acheulean technology and cognition at Boxgrove, UK. In: Journal of Archaeological Science. Band 41, 2014, S. 576–590, doi:10.1016/j.jas.2013.10.001.</ref>
    • Brandon Fields – MIS 15
    • Fordwich Pit bei Canterbury in Kent – 712.000 bis 424.000 Jahre vor heute – MIS 15<ref>Alastair Key, Tobias Lauer, Matthew M. Skinner, Mathew Pope, David R. Bridgland, Laurie Noble und Tomas Proffitt: On the earliest Acheulean in Britain: First dates and in-situ artefacts from the MIS 15 site of Fordwich (Kent, UK). In: Royal Society Open Science. Band 9, Nr. 6, S. 211904, doi:10.1098/rsos.211904.</ref>
    • Happisburgh in Norfolk – 866.000 bis 814.000 Jahre vor heute (MIS 21), auch 970.000 bis 936.000 Jahre vor heute (MIS 25) wird angegeben.<ref>Simon A. Parfitt und Kollegen: Early Pleistocene human occupation at the edge of the boreal zone in northwest Europe. In: Nature. Band 466, Nr. 7303, 2010, ISSN 1476-4687, S. 229–233, doi:10.1038/nature09117 ([3] [PDF]).</ref> Im Jahr 2013 wurden hier die mehr als 800.000 Jahre alten Fußabdrücke von Happisburgh gefunden.<ref>Ashleigh L. A. Wiseman; Chris B. Stringer, Nick Ashton, Matthew R. Bennett, Kevin G. Hatala, Sarah Duffy, Thomas O'Brien und Isabelle De Groote: The morphological affinity of the Early Pleistocene footprints from Happisburgh, England, with other footprints of Pliocene, Pleistocene, and Holocene age. In: Journal of Human Evolution. Band 144, S. 102776, doi:10.1016/j.jhevol.2020.102776.</ref>
    • Hoxne in Suffolk<ref>John Frere: Account of Flint Weapons Discovered at Hoxne in Suffolk. In: Archaeologia. Band 13, 1800, S. 204–205.</ref>
    • Pakefield in Suffolk – MIS 15 – zirka 700.000 Jahre vor heute<ref>Simon A. Parfitt und Kollegen: The earliest record of human activity in northern Europe. In: Nature. Band 438, S. 1008–1012.</ref>
    • Swanscombe-Schädel von Swanscombe in Kent – ungefähr 400.000 Jahre vor heute<ref>Chris Stringer und Jean-Jacques Hublin: New age estimates for the Swanscombe hominid, and their significance for human evolution. In: Journal of Human Evolution. Band 37, 1999, S. 873–877, doi:10.1006/jhev.1999.0367.</ref>
Datei:Musée de Picardie, bifaces provenant du moulin Quignon (Abbeville) 1.jpg
Faustkeile aus Moulin Quignon bei Abbeville
  • Frankreich
    • Abbeville mit Moulin Quignon – zirka 650.000 Jahre vor heute, möglicherweise bis auf 700.000 Jahre vor heute zurückgehend<ref>Pierre Voinchet: Rapport de fouille. Opération Abbeville. Ministère de la Culture et de la Communication, 2019, S. 71.</ref>
    • Abri Combe Grenal bei Domme, Département Dordogne – 175.000 bis 50.000 Jahre vor heute
    • Aldène bei Cesseras (Hérault) – 400.000 bis 300.000 Jahre vor heute<ref>Elena Rossoni-Notter, Olivier Notter, P. Simon und Suzanne Simone: Comportements techniques des acheuléens de la grotte d'Aldène (Cesseras, Hérault, France). In: Quaternary International. UISSP – Union Internationale des Sciences Préhistoriques et Protohistoriques, Burgos, Spanien 2015.</ref>
    • Arago mit dem Mensch von Tautavel – 450.000 Jahre vor heute. Neuere Funde reichen bis 570.000 Jahre zurück.<ref>Lucy Wilson: Petrography of the Lower Palaeolithic tool assemblage of the Caune de l'Arago. In: World Archaeology. Band 19, Nr. 3, 1988, S. 376–387.</ref>
    • Biache-Saint-Vaast – 240.000 bis 272.000 Jahre vor heute – Ende von MIS 7. Die Fundstätte wird bereits dem Moustérien zugerechnet, die Kulturträger dem Frühen Neandertaler.<ref>Hélène Rougier: Étude descriptive et comparative de Biache-Saint-Vaast 1 (Biache-Saint-Vaast, Pas-de-Calais, France). In: Doktorarbeit in Sciences de l’Homme et Société. Université de Bordeaux I, 2003.</ref>
    • Brinay mit La Noira – zirka 650.000 bis 670.000 Jahre vor heute<ref>Jackie Despriée und Kollegen: Le site préhistorique moyen de la Noira à Brinay (Cher, Région Centre, France): contexte morphosédimentaire, géochronologie et données archéologiques. In: Quaternaire. Band 28, Nr. 1, 2017, S. 31–48 ([4] [PDF]).</ref>
    • Cagny-l'Epinette – MIS 9 bis MIS 8 – 318.000 bis 239.000 Jahre vor heute<ref>Laura Vanuxem: Reconnaissance et utilisation des matériaux organiques et non-organiques comme matière

percutante dès l’Acheuléen: application au gisement de Cagny-l’Epinette (MIS9/10, Somme, France). In: Doktorarbeit. Université de Lille, 2024 ([5] [PDF]).</ref>

    • Lamagdelaine im Département Lot (Les Bosses 1) – zirka 300.000 Jahre vor heute – MIS 9/8<ref>M. Jarry, D. Colonge, L.-A. Lelouvuer und V. Mourre: Les Bosses (Lamagdelaine, Lot, France): un gisement paléolithique moyen antérieur à l’avant-dernier Interglaciaire sur la moyenne terrasse du Lot. In: Société Préhistorique Française, « travaux ». n°7, 2007, S. 158.</ref>
    • La Micoque im Département Dordogne – MIS 12/10 bis MIS 6<ref>C. Falguères, J.-J. Bahain und H. Saleki: U-Series and ESR Dating of Teeth from Acheulian and Mousterian Levels of La Micoque (Dordogne, France). In: Journal of Archaeological Science. Band 24, 1997, S. 537–545.</ref>
    • La Roche-Gélétan
    • Le Lazaret im Département Alpes-Maritimes<ref>C. Viallet: Potentiel fonctionnel des outils bifaciaux au Pléistocène moyen en contexte méditerranéen. Analyse de la structure et des macro-traces des séries bifaciales de la Caune de l’Arago, Terra Amata, Orgnac 3 et du Lazaret. In: Thèse de Doctorat (Doktorarbeit)Datum=2016. Université de Perpignan Via-Domitia, S. 398.</ref>
    • Lunery im Département Cher
    • Menez-Dregan
    • Orgnac 3 – 312.000 bis 265.000 Jahre vor heute – MIS 9 bis Anfang MIS 8<ref>V. Michel und Kollegen: Application of U/Th and 40Ar/39Ar Dating to Orgnac 3, a Late Acheulean and Early Middle Palaeolithic Site in Ardèche, France. In: PLoS ONE. Band 8, Nr. 12, 2013, S. 1–17.</ref>
    • Pech de l'Azé bei Carsac (Département Dordogne) – MIS 7/6<ref>Rainer Grün, P. Mellars und H. Laville: ESR chronology of a 100,000-year archeological sequence at Pech de l'Azé II, France. In: Antiquity. Band 65, 1991, S. 544–551.</ref>
    • Quinson in den Alpes-de-Haute-Provence, Grotte de la Baume-Bonne – 400.000 bis 500.000 Jahre vor heute<ref>J. Gagnepain und C. Gaillard: La grotte de la Baume-Bonne (Quinson, Alpes-de-Haute-Provence): synthèse chronostratigraphique et séquence culturelle d'après les fouilles récentes (1988-1997). In: BAR International Series. Band 1364. Rennes 2005, S. 73–85.</ref>
    • Saint-Acheul
    • Terra Amata<ref>Paolo Villa: Terra Amata and the Middle Pleistocene archaeological record of southern France. University of California Press, Berkeley 1983.</ref>
    • Vergranne (Département Doubs) – rund 600.000 Jahre vor heute<ref>J. Jaubert: Préhistoires de France. Confluences, Bordeaux 2011, S. 128.</ref>
  • Georgien
  • Griechenland
  • Indien<ref name="Pappu" />
    • Athirampakkam bei Chennai in Tamil Nadu – 1510.000 Jahre vor heute, auch 1700.000 bis 1070.000 Jahre vor heute wird angegeben
    • Isampur, Karnataka – 1270.000 Jahre vor heute<ref>K. Paddayya, Richa Jhaldiyal und M. D. Petraglia: Excavation of an Acheulian workshop at Isampur, Karnataka (India). In: Antiquity. Band 74, Nr. 286, 2015, S. 751–752, doi:10.1017/S0003598X00060269.</ref>
  • Indonesien
  • Israel
    • Gesher Benot Ya’aqov – 780.000 Jahre vor heute<ref>Naama Goren-Inbar und Idit Saragusti: Acheulian biface assemblage from Gesher Benot Ya'aqov, Israel: indications of African affinities. In: Journal of Field Archaeology. Band 23, Nr. 1, 1996, S. 15–30.</ref>
    • Ubeidiya – 1900.000 bis 1200.000 Jahre vor heute<ref>Ofer Bar-Yosef und Naama Goren-Inbar: A Lower Paleolithic Site in the Jordan Valley. In: Monographs of the Institute of Archeology. Band 34. Institute of Archaeology, Hebrew University of Jerusalem, Jerusalem 1993, S. 266.</ref>
  • Italien
  • Kenia
    • Chesowanja
    • Isenya<ref>Hélène Roche, Jean-Philippe Brugal, David Lefevre, Sylvie Ploux und Pierre-Jean Texier: Isenya: état des recherches sur un nouveau site acheuléen d'Afrique orientale. In: The African Archaeological Review. Band 6,, 1988, S. 27–55.</ref>
    • Kapthurin
    • Kariandusi
    • Kilombe – zirka 1000.000 Jahre vor heute<ref>A. J. Gowlett: Le site acheuléen de Kilombe : stratigraphie, géochronologie, habitat et industrie lithique. In: L'Anthropologie. Band 97, Nr. 1, 1993, S. 69–84.</ref>
    • Kokiselei – zirka 1750.000 Jahre vor heute
    • Koobi Fora<ref>G. Philip Rightmire: Variation among early Homo crania from Olduvai Gorge and the Koobi Fora region. In: American Journal of Physical Anthropology. Band 90, Nr. 1, 1993, ISSN 1096-8644, S. 1–33, doi:10.1002/ajpa.1330900102.</ref>
    • Olorgesailie<ref>Richard Potts: Olorgesailie: new excavations and findings in Early and Middle Pleistocene contexts, southern Kenya rift valley. In: Journal of Human Evolution. Band 18, Nr. 5,, 1989, S. 477–484.</ref>
Datei:Homo sapiens from Jebel Irhoud.jpg
Rekonstruierter Schädel des archaischen Homo sapiens vom Djebel Irhoud, zirka 315.000 Jahre alt
  • Marokko
    • Djebel Irhoud – 315.000 ± 34.000 Jahre vor heute – ältester Archaischer Homo sapiens<ref>Daniel Richter, Rainer Grün, Renaud Joannes-Boyau, Teresa E. Steele, Fethi Amani, Mathieu Rué, Paul Fernandes, Jean-Paul Raynal, Denis Geraads, Abdelouahed Ben-Ncer, Jean-Jacques Hublin und Shannon P. McPherron: The age of the hominin fossils from Jebel Irhoud, Morocco, and the origins of the Middle Stone Age. In: Nature. Band 546, Nr. 7657, 2017, ISSN 0028-0836, S. 293–296, doi:10.1038/nature22335.</ref>
  • Monaco
    • Grotte de l'Observatoire – MIS 11 und MIS 10<ref>Elena Rossoni-Notter, Olivier Notter, Suzanne Simone und P. Simon: Acheulean in Monaco: Observatoire cave and its singular occupations. In: Quaternary International. B, 2016, S. 212–235.</ref>
  • Philippinen
  • Portugal
  • Russland
    • Taman-Halbinsel<ref>V. E. Shelinsky, A. E. Dodonov, V. S. Baigusheva, S. A. Kulakov, A. N. Simakova, A. S. Tesakov und V. V. Titov: Early Palaeolithic sites on the Taman Peninsula (Southern Azov Sea region, Russia): Bogatyri/Sinyaya Balka and Rodniki. In: Quaternary International. Band 223–224, 2010, S. 28–35.</ref>
  • Sambia
  • Serbien
Datei:Sima de los Huesos Crania.png
Die 17 Schädel aus der Sima de los Huesos

Literatur

  • Gerhard Bosinski: Das Mittelpaläolithikum: Steinbearbeitung – Steinwerkzeugformen und Formengruppen – Bearbeitung von Holz, Knochen und Geweih – Schmuck. Hrsg.: E.-B. Krause, Die Neandertaler. Feuer im Eis. 250.000 Jahre europäische Geschichte. Gelsenkirchen 1999, S. 74–104.
  • Fabio di Vicenzo und Giorgio Manzi: Homo heidelbergensis as the Middle Pleistocene common ancestor of Denisovans, Neanderthals and modern humans. In: Journal of Mediterranean Earth Sciences. Band 15, 2023, S. 303–315, doi:10.13133/2280-6148/18074.
  • Joachim Hahn: Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten. Einführung in die Artefaktmorphologie. In: Archaeologica Venatoria. Band 10, 1991.
  • Ya-Mei Hou, Richard Potts, Yuan Baoyin, Guo Zhengtang, Alan Deino, Wang Wei, Jennifer Clark, Xie Guangmao und Huang Weiwen: Mid-Pleistocene Acheulean-like stone technology of the Bose Basin, South China. In: Science. Band 287, 2000, S. 1622–1626.
  • Susan G. Keates: The Movius Line, Fact or Fiction? In: Bulletin of the Indo-Pacific Prehistory Association. Vol. 22, 2003, S. 17–24.
  • Marie-Helene Moncel und Kollegen: What Is the Acheulean? In: Evolutionary Anthropology. Band 5, Nr. 2, 2026, S. e70029, doi:10.1002/evan.70029.
  • Alfred F. Pawlik und Wilfredo P. Ronquillo: The Palaeolithic in the Philippines. In: Lithic Technology. Band 28, Nr. 2, 2003, S. 79–93, doi:10.1080/01977261.2003.11721004.

Photogalerie

Weblinks

Commons: Acheulean – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

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