Rispige Graslilie
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| Rispige Graslilie | ||||||||||||
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| Datei:Anthericum ramosum 250605a.jpg
Rispige Graslilie (Anthericum ramosum) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Anthericum ramosum | ||||||||||||
| L. |
Die Rispige Graslilie (Anthericum ramosum) ist eine Pflanzenart der Gattung Graslilien (Anthericum) in der Unterfamilie der Agavengewächse (Agavoideae). Sie wird auch als Rispen-Graslilie, Kleine Graslilie oder Ästige Graslilie bezeichnet.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Rispige Graslilie ist eine ausdauernde, sommergrüne, krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe zwischen 30 und 70 Zentimetern erreicht.<ref name="FloraWeb-Merkmale" /> Die grundständigen, linealischen, grasartigen Laubblätter werden zwei bis sechs Millimeter breit und sind im Allgemeinen deutlich kürzer als die Blütenstände. Im Gegensatz zur Astlosen Graslilie gibt es am Blattgrund keine spreitenlosen Niederblätter.<ref name="FloraVegetativa" />
Die Pflanzen enthalten Steroidsaponine.
Generative Merkmale
Sie besitzt normalerweise einen aufrechten, rispigen Blütenstand. Selten kann dieser eine einfache Traube bilden<ref name="FloraWeb-Merkmale" /><ref name="Flora Europea" /> und besitzt dann keine Verzweigungen. Die sechs weißen Perigonblätter werden 10 bis 14 Millimeter lang.<ref name="Flora Europea" /><ref name="InfoFlora" /> Sie sind in ihrer Form nicht gleich, wobei die drei inneren Perigonblätter fast doppelt so breit wie die drei äußeren sind.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FloraWeb-Merkmale" /> Die sechs Staubblätter besitzen in etwa die gleiche Länge wie die Perigonblätter, welche die Staubblätter nicht mehr als 2 Millimeter überragen.<ref name="Flora Europea" /> Die mehr oder weniger geraden Griffel sind länger als die Perigonblätter.<ref name="InfoFlora" /> Die Blüte ist duftlos. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.<ref name="FloraWeb-Merkmale" />
Die lokulizidalen Kapselfrüchte<ref name="Flora Europea" /> sind kugelförmig<ref name="InfoFlora" /> bis stumpf-dreikantig und besitzen einen Durchmesser von 5 bis 6 Millimeter.<ref name="Flora Europea" /><ref name="InfoFlora" />
Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 30 oder 32.<ref name="Oberdorfer2001" />
Bzgl. des Unterschieds zur ähnlichen Traubigen Graslilie (Anthericum liliago) vgl. im Abschnitt Verwechslungsmöglichkeiten bei dieser Art.
Ökologie
Die Rispige Graslilie ist ein Hemikryptophyt<ref name="FloraWeb-Merkmale" /> und ein Tiefwurzler.
Sie besitzt Scheibenblumen mit freiliegendem Nektar. Insektenbestäubung ist die Regel, welche durch Käfer, Fliegen, Schwebfliegen, Wespen und mittelrüsselige Bienen erfolgt.<ref name="FloraWeb-Merkmale" />
Die Reproduktion erfolgt durch Samen und vegetativ durch das Rhizom.<ref name="FloraWeb-Merkmale" /> Die Samenausbreitung geschieht durch den Wind.
Die Rispige Graslilie ist Raupenfutterpflanze für die oligophage (Veränderliche) Graslilieneule (Episema glaucina).<ref name="Schmetterlinge" />
Von ihren Früchten ernähren sich zudem die Raupen des Eulenfalters Metachrostis dardouini.<ref>Metachrostis dardouini. Lepidoptera-Wiki des Lepiforum e. V., abgerufen am 21. Juli 2023.</ref>
Vorkommen
Die Rispige Graslilie ist in Europa mit deutlicher Tendenz nach Süden, und nach Osten bis in die Türkei, den nördlichen Kaukasus und das zentrale europäische Russland verbreitet.<ref name="POWO" />
Als Standort werden Steppenheiden, (Halb-)Trockenrasen, Böschungen, Waldränder vorzugsweise auf lockeren, kalkhaltigen Böden bevorzugt. In den Alpen steigt diese Art im Allgemeinen bis auf Höhenlagen von 1700 m. In den Allgäuer Alpen steigt sie im Kleinwalsertal in der Auenmulde oberhalb der Ifenhütte bis zu 1900 Metern Meereshöhe auf.<ref name="Dörr und Lippert" />
Die Rispige Graslilie ist ein typischer Vertreter kontinentaler Steppen. In Mitteleuropa bieten daher nur die wenigen vorhandenen Steppen und Heiden die optimalen Bedingungen für die Entfaltung der Art. In Österreich ist die Rispige Graslilie in allen Bundesländern häufig.
Nach Ellenberg ist sie eine Halblichtpflanze, ein Mäßigwärmezeiger, subozeanisch verbreitet, ein Schwachsäure- bis Schwachbasezeiger, auf stickstoffarmen Standorten wachsend und eine Verbandscharakterart Trockenheitsertragender Blutstorchschnabel-Staudensäume (Geranion sanguinei).<ref name="Ellenberg" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2w+ (mäßig trocken aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Für Anthericum ramosum <templatestyles src="Person/styles.css" />L. gibt es folgende Synonyme<ref name="POWO" />:
- Anthericum gracile <templatestyles src="Person/styles.css" />Salisb.
- Endogona ramosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Raf.
- Liliago ramosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) C.Presl
- Ornithogalum ramosum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Lam.
- Pessularia ramosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Salisb.
- Phalangites ramosus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Bubani
Nutzung
Die Rispige Graslilie wird selten als Zierpflanze für Stein-, Natur- und Heidegärten genutzt. Sie ist seit spätestens 1570 in Kultur.<ref name="Rothmaler 5" />
Trivialnamen
Für die Rispige Graslilie sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Erdspinnenkraut, Graslilie, Spinnenkraut (Elsass), weißer Wiederthon (Schlesien, Mark) und Zaunblume (Schlesien) gebräuchlich.<ref name="Pritzel-Jessen1882" />
Literatur
- Dankwart Seidel: Blumen. Treffsicher bestimmen mit dem 3er-Check. 2., durchgesehene Auflage. blv, München/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-405-15766-8.
- Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Ellenberg"></ref> <ref name="FloraVegetativa">Stefan Eggenberg, Adrian Möhl: Flora Vegetativa. Ein Bestimmungsbuch für Pflanzen der Schweiz im blütenlosen Zustand. Haupt, Bern/Stuttgart/Wien 2007, ISBN 978-3-258-07179-4.</ref> <ref name="Rothmaler 5"></ref> <ref name="Pritzel-Jessen1882">Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 32, online.</ref> <ref name="Oberdorfer2001">Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. Seite 123. ISBN 3-8001-3131-5</ref> <ref name="Dörr und Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 338.</ref> <ref name="InfoFlora"> Anthericum ramosum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="POWO">Datenblatt mit weltweiter Verbreitungskarte für Anthericum ramosum L. In: Plants of the World Online</ref> <ref name="FloraWeb-Merkmale"> Biologische Merkmale von Anthericum ramosum L., Ästige Graslilie In: FloraWeb</ref> <ref name="Schmetterlinge">Schmetterlingsfutterpflanze Anthericum ramosum L., Ästige Graslilie In: FloraWeb</ref> <ref name="Flora Europea"> T. G. Tutin et al.: Flora Europea, Volume 5, Alismataceae to Orchidaceae, Cambridge University Press, 1980, S. 18.</ref> </references>
Weblinks
- Rispige Graslilie. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Verbreitungskarte für Deutschland. In: Floraweb.
- Rispige Graslilie. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)