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	<title>Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Spurensicherung_(Kunst)&amp;diff=594321</id>
		<title>Spurensicherung (Kunst)</title>
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		<updated>2021-07-22T20:45:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;87.27.163.67: /* Ausstellung 1977 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Spurensicherung&#039;&#039;&#039; ist eine Form der [[Konzeptkunst]], in der Künstler nach ähnlichen Methoden arbeiten, wie sie in den [[Geschichtswissenschaft|Geschichts-]] und [[Sozialwissenschaft]]en üblich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriff ==&lt;br /&gt;
Die [[Locard’sche Regel]] sagt, dass bei der Berührung zweier Objekte immer an beiden eine Spur zurückbleiben muss. Daher beginnen in der [[Kriminalistik]] die [[Ermittlungsverfahren|Ermittlung]]en typischerweise mit der Suche, Erfassung, Dokumentation und Sicherung der Spuren; anschließend folgt deren Auswertung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1974 übertrug der deutsche [[Kunstkritiker]] [[Günter Metken]] den Begriff erstmals auf die Konzeptkunst: Er charakterisierte damit eine Gruppenausstellung im [[Kunstverein in Hamburg]], die er unter dem Titel &#039;&#039;Spurensicherung: [[Archäologie]] und [[Erinnerungskultur|Erinnerung]]&#039;&#039; kuratierte. Diese Ausstellung ging anschließend zur [[Städtische Galerie im Lenbachhaus|Städtischen Galerie im Lenbachhaus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich hier nicht um eine Bewegung oder Künstlergruppe. Der Begriff umfasste allgemein eine neue Position nach dem Ende der [[68er-Bewegung]], „nach der Enttäuschung über das Versickern des Aufbruchs“.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter Metken: &#039;&#039;Spurensicherung. Kunst als Anthropologie und Selbsterforschung. Fiktive Wissenschaft in der heutigen Kunst&#039;&#039;. DuMont, Köln 1977, S. 11, 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausstellung 1974 ==&lt;br /&gt;
Günter Metken hatte 1974 in der Ausstellung im Hamburger Kunstverein die Werke von sechs Künstlern aus Deutschland, Frankreich und Italien versammelt:&amp;lt;ref&amp;gt;Mitteilung des Kunstvereins in Hamburg vom 2. Juli 2010.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Didier Bay&lt;br /&gt;
* [[Christian Boltanski]]&lt;br /&gt;
* [[Jürgen Brodwolf]]&lt;br /&gt;
* [[Claudio Costa]]&lt;br /&gt;
* [[Nikolaus Lang]]&lt;br /&gt;
* [[Anne und Patrick Poirier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Künstler waren im Ausstellungsjahr zwischen dreißig und vierzig Jahre alt, und sie präsentierten die Ergebnisse ihrer Recherchen:&amp;lt;ref&amp;gt;{{Der Spiegel|ID=41722123|Titel=Erinnerung in der Kiste|Jahr=1974|Nr=16|Datum=1974-04-15|Seiten=120–121}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das französische Künstlerehepaar Poirier zeigte ihr Ruinenpanorama (11,4 × 5,75 m) zur Römersiedlung [[Ostia Antica]] als ein Werk individueller Sicht archäologischer Forschungen. Der Italiener Claudio Costa orientierte sich an [[Ethnologie|ethnologischen]] Forschungen und hatte Hautfarbentabellen ausgehängt. Mit dem Sammeln von 238 Gegenständen einer bayrischen Familie Götte hatte Nikolaus Lang ein typisches Arbeitsprinzip der [[Alltagsgeschichte]] und der [[Heimatmuseum|Heimatmuseen]] nachgeahmt. Die beiden französischen Künstler Didier Bay und Christian Boltanski dokumentierten ihre persönliche [[Identität]]ssuche vor allem über die Fotografie, wodurch der gesamte Bereich jeglicher Erinnerungskultur zum eigentlichen Thema im Konzept der Spurensicherung gemacht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausstellung 1977 ==&lt;br /&gt;
Als mitverantwortlicher Kurator fasste Günter Metken 1977 zur „documenta 6“ im linken Flügel des [[Fridericianum (Kassel)|Museums Fridericianum]] Raumarbeiten und Werkfolgen dieser Künstler zusammen:&amp;lt;ref&amp;gt;Günter Metken: &#039;&#039;Spurensicherung. Eine Revision. Texte 1977-1995&#039;&#039;. Verlag der Kunst, Berlin 1996, S. 9f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Jean-Marie Bertholin]]&lt;br /&gt;
* Claudio Costa&lt;br /&gt;
* [[Jochen Gerz]]&lt;br /&gt;
* [[Jean Le Gac]]&lt;br /&gt;
* [[Paul-Armand Gette]]&lt;br /&gt;
* [[Nikolaus Lang]]&lt;br /&gt;
* [[Anna Oppermann]]&lt;br /&gt;
* [[Anne und Patrick Poirier]]&lt;br /&gt;
* [[Charles Simonds]]&lt;br /&gt;
* [[Dorothee von Windheim]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel erschien 1977 eine Publikation von Günter Metken mit dem Titel &#039;&#039;Spurensicherung&#039;&#039;, in der er die neue künstlerische Praxis der damals noch jungen Künstler unter diesem Begriff dokumentierte. Ausdrücklich bezog sich Metken dabei auf das Konzept einer [[Individuelle Mythologie|Individuellen Mythologie]], das [[Harald Szeemann]] auf der [[documenta 5]] (1972) realisiert hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter Metken: &#039;&#039;Spurensicherung. Eine Revision. Texte 1977-1995&#039;&#039;. Verlag der Kunst, Berlin 1996, S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Großen Einfluss hatten die Arbeiten von [[Christian Boltanski]] als Teilnehmer der Documenta 5, 6 und 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Positionen ==&lt;br /&gt;
Die Künstler, die Spurensicherung betreiben, haben Zweifel am technischen Fortschrittsglauben und der eindimensionalen Sicht moderner Medien. Stattdessen setzen sie auf eine [[Selbstbeobachtung|Introspektion]]: Sie beschäftigen sich mit alten, größtenteils in Vergessenheit geratenen Kulturen, versuchen künstlerisch Spuren festzuhalten und aus einzelnen Relikten realer oder erfundener Kulturen Aussagen über das Menschsein zu gewinnen. Einige Künstler betreiben auch &#039;&#039;[[Feldforschung]]&#039;&#039;: Sie untersuchen ihr persönliches näheres Umfeld und ihre eigenen Gefühle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt ähnelt das künstlerische Vorgehen den Methoden der [[Archäologie]] und [[Ethnologie]]. Spurensicherung befasst sich sowohl mit äußerlich wahrnehmbaren zeitlichen Ablagerungen als auch mit inneren Tiefenschichten. Dabei arbeitet sie meist mit fiktiven archäologischen Zeugnissen, mit Materialsammlungen, die nach scheinbar naturwissenschaftlichen Kriterien aufbereitet werden, tatsächlich aber nur mit einer [[Suggestion]] von Objektivität, von Recherche und von historischer Reflexion eine besondere Wirkung erzielen. Gesammelte Objekte werden zum Beispiel inventarisiert, sorgsam klassifiziert und in Schaukästen ausgestellt. Präsentiert werden unterschiedliche Fundstücke:&lt;br /&gt;
* Steine, Blätter, Holzteile, Schneckengehäuse, Knochen;&lt;br /&gt;
* Kleidungsstücke, Fassadenteile;&lt;br /&gt;
* Fotografien, Textfragmente, Tagebücher.&lt;br /&gt;
Die Sammlung aller Objekte eines Künstlers einschließlich seiner Konzeptionen und Ideen können ein komplexes Gesamtkunstwerk ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Themen der Spurensicherung sind auch [[Individuelle Mythologie]]n und die Auseinandersetzung mit anthropologisch-philosophischen Fragestellungen, wie sie der Anthropologe [[Claude Lévi-Strauss]] als Vertreter des [[Strukturalismus]] thematisiert hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Günter Metken: &#039;&#039;Spurensicherung. Kunst als Anthropologie und Selbsterforschung. Fiktive Wissenschaft in der heutigen Kunst&#039;&#039;. DuMont, Köln 1977, {{Falsche ISBN|3-7701-0945-6}}.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Kunst als sozialer Prozeß.&#039;&#039; [[Kunstforum International]], Bd. 27/1978.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Konstruktion des Erinnerns. Transitorische Turbulenzen I.&#039;&#039; Kunstforum International, Bd. 127/1994.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Zwischen Erinnern und Vergessen. Transitorische Turbulenzen II&#039;&#039;. Kunstforum International, Bd. 128/1994.&lt;br /&gt;
* Günter Metken: &#039;&#039;Spurensicherung. Eine Revision. Texte 1977 - 1995&#039;&#039;. 1. Auflage, Philo Verlagsgesellschaft, 1996, ISBN 3-86572-419-1.&lt;br /&gt;
* Lambert Schneider: &#039;&#039;Das Pathos der Dinge. Vom archäologischen Blick in Wissenschaft und Kunst&#039;&#039;. In: Bernhard Jussen (Hrsg.): &#039;&#039;Von der künstlerischen Produktion der Geschichte: Anne und Patrick Poirier&#039;&#039;. Band 1, Wallstein, 1999, ISBN 3-89244-347-5, S. 51–82.&lt;br /&gt;
* Claude Levi-Strauss: &#039;&#039;Mythos und Bedeutung&#039;&#039;. 1. Auflage, Suhrkamp, 1995, ISBN 3-518-22197-3.&lt;br /&gt;
* [[Michael Wetzel (Literaturwissenschaftler)|Michael Wetzel]]: &#039;&#039;Die Zeit der Entwicklung. Photographie als Spurensicherung und Metapher.&#039;&#039; In: [[Georg Christoph Tholen]], Michael O. Scholl: &#039;&#039;Zeit-Zeichen. Aufschübe und Interferenzen zwischen Endzeit und Echtzeit.&#039;&#039; VCH, Weinheim 1990, ISBN 3-527-17713-2, S. 265–280.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://homepage.univie.ac.at/elisabeth.trinkl/forum/forum0304/30holtorf.htm#5 Cornelius Holtorf: &#039;&#039;Archäologie als Spurensicherung. Vehikel der Selbsterkenntnis&#039;&#039;.]&lt;br /&gt;
* {{Der Spiegel|ID=41722123|Titel=Erinnerung in der Kiste|Jahr=1974|Nr=16|Datum=1974-04-15|Seiten=120–121}}&lt;br /&gt;
* [http://www.kunstverein.de/ausstellungen/archiv/1970-1979/1974/19740406-spurensicherung.php Archivseite des Hamburger Kunstvereins zur Ausstellung 1974]&lt;br /&gt;
* [http://www.villaromana.org/upload/Texte/Archivtext5.pdf Gerda Wendermann: &#039;&#039;Spurensuche im Florenz der siebziger Jahre&#039;&#039;.] (PDF-Datei 6,1 MB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Spurensicherung (Kunst)| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Konzeptkunst]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gattung der bildenden Kunst]]&lt;/div&gt;</summary>
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